Das RuSHA hat da noch ‘ne Frage

Nachdem wir uns jetzt alle (Ernst, Katharina und Ich), durch den Antrag durchgearbeitet haben, beginnt nun endlich der Genehmigungsprozess.

Wie bereits ausgeführt, übersandte Ernst die Unterlagen mit Schreiben vom 16.10. (s. hier).

Bereits 3 Tage später datiert ein Antwortschreiben des Sippenamts:

(Vordruck) Ihr Gesuch kann noch nicht entschieden werden. Zur weiteren Prüfung benötigt das R u S Hauptamt der SS noch

(Darüber mit Schreibmaschine) 1. … frauenärztlichen … nicht

über die Unterleibsentzündung von Fräulein Winter, insbesondere über Ursache, Beginn und Verlauf und weiterhin, ob eine Schwangerschaft mit Sicherheit festzustellen ist.

2.) Fräulein Winter hat sich sofort in zahnärztliche Behandlung zu begeben, da ihr Gebiß behandlungsbedürftig ist. Nach Abschluß dieser Behandlung ist ein entsprechender zahnärztlicher Bericht einzureichen.

3.) Dasgleiche gilt auch für Ihr Gebiß. Erst dann ist eine Beurteilung Ihres Gesuches möglich.

(Vordruck) Diese Unterlagen sind möglichst schnell nachzureichen.

(Darüber mit Schreibmaschine) b. 11.35

Tja. Was hat er sich denn auch gedacht? Kannte Ernst den Befund Katharinas? Darin stand ja eindeutig, dass aktuell keine Schwangerschaft vorliegt (vgl. hier).

Ich denke, es ist folgendes passiert: Bei der Untersuchung (am 05. Oktober), stellt Dr. Pitsch bei Katharina einen „Cervixkatarrh“ fest. Wie bereits dargestellt, handelt(e) es sich bei dieser Diagnose um ein Krankheitsbild, das normalerweise in Verbindung mit Geschlechtskrankheiten gesehen wurde. Aus diesem Blickwinkel ergibt sich die Nachfrage des Sachbearbeiters im RuSHA. Andererseits war ein Gonokokken-Abstrich ja negativ. Vielleicht sind Katharina und Ernst daraufhin ins Überlegen gekommen und mussten dann feststellen, dass die Symptome, die sie zeigte, Anzeichen einer Schwangerschaft sein konnten. Entsprechend schrieb Ernst dann am 16. Oktober, mithin 10 Tage nach der ärztlichen Untersuchung, mit dem Wissen (oder zumindest der sehr konkreten Vermutung), dass Katharina schwanger war, an das RuSHA.

Dass sie diese Unstimmigkeiten erklären würden müssen, hätten sie sich aber auch denken können.

Darüber hinaus werden beide zum Zahnarzt geschickt. Der Sachbearbeiter hat aufgrund der eingereichten Informationen befunden, dass das beider Gebisse behandlungsbedürftig sind.

Die Ahnentafeln

Die umfangreichsten Dokumente, die zur Beantragung einer Heiratsgenehmigung vorliegen mussten, sind sicherlich die Ahnentafeln. Ernst & Katharina haben diese sorgfältig ausgefüllt und man kann sich nur wundern, wie sie in Zeiten ohne Internet und angesichts der Tatsache dass beide keine lebenden Großeltern mehr hatten, diese detaillierten Informationen beschaffen konnten. Sicherlich war damals die „Familienbibel“ noch weit verbreitet und man konnte daraus entsprechende Informationen erhalten, aber auch eine solche Bibel wird ja in der Regel nur an ein Kind vererbt und sowohl Ernst als auch Katharina hatten viele Onkel und Tanten.

Welche Hilfestellung gab die SS bzw. das RuSHA dem Antragsteller?

Anleitung.

1. Welche Angaben muß die Ahnentafel enthalten?

Die Ahnentafel muß alle Vorfahren des SS-Angehörigen bezw. seiner Frau oder Braut enthalten, soweit sie am 1. Januar 1800 oder später gelebt haben.

Für jeden Vorfahren ist anzugeben:

  1. Name (bei Frauen nur Geburtsname) und sämtliche Vornamen.
  2. Geburtsort, Geburtsjahr, Geburtsmonat, Geburtstag (hinter *).
  3. Sterbeort, Sterbejahr, Sterbemonat, Sterbetag (hinter †).
  4. Religion (hinter R.).
  5. Beruf (hinter Ber.).
  6. Heiratsort, Heiratsjahr, Heiratsmonat, Heiratstag (hinter ⚭).

Für die Frau bezw. die Braut ist eine besondere Ahnentafel einzusenden. Kinder sind auf der Rückseite der Ahnentafel anzugeben.

2. Wie wird die Ahnentafel ausgefüllt?

Zunächst trägt der SS-Angehörige (bezw. die Frau) – möglichst in Maschinenschrift, sonst mit Tinte – alle geforderten Angaben über sich selbst ein. Sodann werden in Feld Nr. 2 die Angaben über den Vater und in Feld Nr. 3 die Angaben über die Mutter eingesetzt. Feld Nr. 4 ist für die Angaben über den Großvater väterlicherseits, Feld Nr. 5 für die Angaben über die Großmutter väterlicherseits bestimmt. Feld Nr. 6 und Nr. 7 dienen für die Eintragungen über die Großeltern mütterlicherseits. In gleicher Weise sind in den Feldern Nr. 8 bis Nr. 16 die Urgroßeltern zu verzeichnen und in den Feldern von Nr. 16 bis Nr. 31 die Ur-Urgroßeltern.

Sämtliche nicht urkundlich belegten Angaben (errechnet oder aus Familienüberlieferung) sind mit Bleistift einzutragen.

Begründung für fehlende Angaben oder Vermerke wie „nicht festzustellen“ oder ähnliche sind auf einen besonderen Bogen zu schreiben. Sie gehören nicht in die Ahnentafel.

Es ist besonders darauf zu achten, daß die Eltern eines Vorfahren immer in den beiden unmittelbar darüber liegenden Feldern stehen müssen.

Dazu vergleiche folgendes Schema:

Die in den Urkunden eines Vorfahren enthaltenen Angaben über Namen und Beruf seiner Eltern sind in die entsprechenden Felder einzutragen, auch wenn über diese Eltern keine besonderen Urkunden vorliegen.

3. Beschaffung von Urkunden für die Angaben in der Ahnentafel.

Für den SS-Angehörigen (bezw. seine Frau) und für alle Vorfahren sind folgende Urkunden als Beleg für die Richtigkeit der Ahnentafel notwendig:

  1. Geburtsurkunde oder Taufschein.
  2. Heiratsurkunde oder Trauschein.

Gewünscht ist die Sterbe-Urkunde.

Der SS-Angehörige stellt zunächst alle Angaben, die er in der Familie erfahren kann, auf einem besonderen Bogen zusammen. Er fordert dann die entsprechenden Urkunden an unter ausdrücklichem Hinweis darauf, daß die Urkunden zum Nachweis der arischen Abstammung für die Reichsführung SS benötigt werden.

Für die Zeit nach 1876 sind die Standesämter zuständig, für die Zeit vorher die Pfarrämter. Urkunden aus dem Auslande vermitteln die jeweiligen Deutschen Konsulate; diese sind beim Auswärtigen Amt, Berlin W 8, Wilhelmstraße 74 zu erfahren.

Alle bekannten Daten sind bei der Anforderung genau anzugeben. Ist ein Datum nicht genau bekannt, so ist die Hilfe des örtlichen Schulungsleiters zu erbitten.

Die Gebühr für jede Urkunde beträgt RM -.60. Bei nachgewiesenem und von der vorgesetzten Dienststelle bescheinigtem Unvermögen kann die Gebühr erlassen werden.

4. Beifügen von Urkunden.

Urkunden und Belege über die Angaben in der Ahnentafel sind bei Einreichung der Ahnentafel beizufügen. Die Urkunden sind für jede Ahnentafel getrennt in einen besonders großen Briefumschlag zu stecken. Auf diesem Briefumschlag sind Name, Wohnort, Dienstgrad, SS-Nr., SS-Einheit, gegebenenfalls VB-Nr. Zu vermerken. Auf jeder Urkunde ist in der Ecke oben rechts die Nummer, unter der der Betreffende VorFahr in der Ahnentafel geführt ist, mit Bleistift anzugeben, zum Beispiel: Geburtsurkunde der Großmutter mütterlicherseits „7“, Trauschein des Großvaters und der Großmutter väterlicherseits „4/5“.

Die Ahnentafel ist vor der Absendung an das Rasse- und Siedlungshauptamt dem zuständigen Schulungsleiter vorzulegen. Dieser hat die Eintragungen in der Ahnentafel mit den vorgelegten Urkunden zu vergleichen. Nicht ordnungsgemäß und nicht ausreichend (1. 1. 1800!) ausgefüllte Ahnentafeln sind von dem Schulungsleiter von der Absendung an das Rasse- und Siedlungshauptamt zurückzuhalten.

Die Urkunden erhält der Antragsteller nach Prüfung vom Rasse- und Siedlungsbau-Hauptamt zurück.

—-

Puh.

Was ist also zu tun? Ernst & Katharina sollen 4 Generationen zurück bzw. bis zum Jahr 1800 ihre Vorfahren auflisten. Das wäre heutzutage entsprechend bis 1890 zurück. Da käme ich auf jeden Fall schon ins Schleudern. Denn zwar befasse ich mich hier ausführlich mit meinen Urgroßeltern, aber ja nur mit 1 von 4 Paaren, von den Ur-Urgroßeltern (8 Paare!) ganz zu schweigen. Das kann ich jetzt für diesen einen Zweig der Familie, weil mir die Vorarbeiten von Ernst &Katharina vorliegen, und für einen Teil der mütterlichen Vorfahren, weil in diesem Teil der Familie ein ausgeprägtes, offensichtlich vererbtes, Interesse für Ahnenforschung besteht. Aber da sprechen wir von Namen, evtl. Geburts- und Sterbedaten. Aber Heiratsdaten? Berufe?

Dem SS-Angehörigen und seiner zukünftigen Braut wird es nicht einfach gemacht. Ein paar interessante Details:

  • Die Frage nach der Religion kann nur insofern interessant sein, als dass eine nicht-christliche Angabe problematisch wäre. Insbesondere natürlich „Jüdisch“. Andererseits gibt es keine Abfrage nach der „Rasse“. Laut nationalsozialistischer Definition war man Jude nicht als Angehöriger einer Religion, sondern als Abkömmling von mindestens drei jüdischen Großeltern. So legten es die „Nürnberger Rassengesetze“ (konkret: das „Reichsbürgergesetz), erlassen im September 1935 fest. Es wäre daher interessant, ob spätere Vordrucke der Ahnentafel hier andere Angaben fordern.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nuremberg_laws_Racial_Chart.jpg

  • Alle Angaben müssen mit Urkunden belegt werden. Das bedeutet, dass der SS-Angehörige zu den einzelnen Stellen, die ja auch benannt werden, hingehen musste und sich bspw. im Pfarramt eine Kopie der Heiratsurkunde seiner Urgroßeltern ausstellen lassen musste: „unter ausdrücklichem Hinweis, dass die Urkunden zum Nachweis der arischen Abstammung für die Reichsführung SS benötigt werden“. Man musste also im Zweifel postalisch Anfragen in alle Himmelsrichtungen schicken, wenn die Familie nicht (wie bei Ernst) seit Jahrzehnten am gleichen Ort ansässig war. Die Recherche war also nicht nur inhaltlich kompliziert, sondern auch ein ziemlicher Zeitaufwand. Die Urkundenausstellung sollte zum Einheitspreis erfolgen: 60 Reichspfennig je Urkunde. Laut Wikipedia beträgt die Umrechnung 1 Reichsmark (1937) = € 4,10. Eine Urkunde sollte also etwa 2,50 Euro kosten.
  • “Ist ein Datum nicht genau bekannt, so ist die Hilfe des örtlichen Schulungsleiters zu erbitten“. Inwiefern dieser Schulungsleiter mehr Erfolg haben könnte, ist fraglich. In jedem Fall musste der Schulungsleiter die zusammen getragenen Unterlagen aber prüfen und im Zweifel zurück halten, bis sie zufriedenstellend waren:

Diese Prüfung erfolgte am 15.10.1935 durch den „SS Mann“ Ludwig Krumm aus Lörrach.

-> Einschub: Jetzt wird mir auch klar, wieso es sich um eine „Reserve“-Einheit handelte. Das ist die Bezeichnung für die Einheiten der SS-Angehörigen zwischen 35 und 45 Jahren (Wikipedia).

UPDATE:

Ich danke Herrn Dr. Heiko Wegmann für folgenden Hinweis: Während die südbadische 65. SS-Standarte drei bis vier aktive Sturmbanne hatte und ihre Stürme, Züge, Trupps usw. kleinteiliger aufgebaut waren, hatte sie nur einen Reserve-Sturmbann (Sitz Freiburg) für die etwas Älteren mit insgesamt 3 Reservestürmen, wovon der 2. In Lörrach lag. Aber auch der hatte nach m. W. die drei Züge Lörrach, Rümmingen und Waldshut.

Ich habe hier nur die beiden Formularseiten Katharinas abgebildet, die entsprechenden Dokumente von Ernst sehen genau gleich aus. Interessant ist, dass Katharinas Adresse hier in Grenzach angegeben wird, nicht wie sonst überall im Antrag mit Allschwil.

Zum zeitlichen Ablauf habe ich ja bereits festgestellt, dass die Prüfung durch den „Schulungsleiter“ der letzte Schritt war und die Unterlagen dann im Prinzip sofort abgesandt wurden. Das Begleitschreiben Ernsts datiert vom 16.10. und bereits am 18.10. werden die Unterlagen in Berlin abgestempelt.

SS-Erbgesundheitsbogen (Ernst)

Nachdem Ernst & Katharina also Auskunft zu ihrem Leben und zu ihren Eltern und Großeltern gegeben haben und sich ärztlich untersuchen lassen haben, ist es immer noch nicht genug. Es muss der sog. „SS-Erbgesundheitsbogen“ ausgefüllt werden. Dies übernimmt der untersuchende Arzt, während die relevanten Daten (bspw. Namen) von den beiden vorbereitet wurden:

SS-Erbgesundheitsbogen

des (der) Maier, Ernst

Der Erbgesundheitsbogen muß sehr gewissenhaft ausgefüllt werden! Kein Bewerber braucht sich Sorge zu machen, wenn deer eine oder der andere Verwandte als „belastet“ angegeben werden muß. Die Angaben dienen nur zur Feststellung der größten Erbschäden. Eine entscheidende Beurteilung erfolgt erst nach genauer Nachprüfung der Angaben. Der Erbgesundheitsbogen soll auch dem SS-Angehörigen selbst dienen und ihn bei Gründung einer Familie davor bewahren, daß ungünstige Erbanlagen zusammenkommen und zu einer Erkrankung des Nachwuchses führen.

Anweisung zum Ausfüllen der Seiten 2, 3 und 4.

Für jeden Verwandten genau prüfen, ob eine der angeführten Fragen mit „ja“ zu beantworten ist. Nur in diesem Falle in entsprechender Spalte ein X einsetzen, sonst bleibt das Feld frei.

In Zweifelsfällen bei Verwandten oder anderen Personen, die Auskunft geben können, genaue Unterlagen einholen. Bleibt trotzdem ein Zweifel, wie die Frage zu beantworten ist, so ist ein ? einzusetzen.

In denjenigen Spalten, in denen mehrere Verwandte vorkommen (5, 6 usw.), ist für jeden Verwandten, der mit „ja“ (X oder ?) bezeichnet werden muß, ein eigens X (?) einzusetzen. Die Zeichen sind dann nebeneinander zu setzen.

Die Angaben sind nur für die leiblichen Eltern und Blutsverwandten zu machen. Nicht für Stiefeltern und Stiefgeschwister.

In dem Abschnitt „Ergänzungen des SS-Angehörigen“ (siehe Absatz 4) sind unklare Fälle näher zu erläutern. Es ist dann die laufende Nummer des Verwandten (siehe erste senkrechte Spalte) und dessen Name voranzustellen. Also z. B. „12 Karl Meyer Krampfanfall nach einem Sturz mit Motorrad.“

Für die zukünftige Ehefrau ist ein besonderer Erbgsundheitsbogen auszufüllen.

——-

Vom SS-Angehörigen bzw. seiner zukünftigen Ehefrau auszufüllen:

Verlobt oder verheiratet mit: Winter Katharina

Seit wann verlobt: möchte sich verloben und zeitgleich verheiraten (Handschrift Ernst Maier)

Seit wann verheiratet: –

Kinderzahl (einschließlich der verstorbenen und außerehelichen): keine Davon gestorben:

Bei außerehelichen Kindern werden noch folgende Angaben benötigt:

Kindesname und Vorname: Geburtsort: Tag: Names des Kindesvaters bzw. der Kindesmutter: Wohnort: Straße:

——-

Ergänzungen des SS-Angehörigen bzw. seiner zukünftigen Ehefrau zu Seite 1, 2, 3 und 4: (Vorher zuerst die Fragen auf Seite 1, 2, 3 und 4 beantworten)

 

 

Der drei Seiten umfassende „Erbgesundheitsbogen“ selbst verlangt wiederum Angaben zu den eigenen Eltern, Großeltern, Onkeln & Tanten sowie eigenen Geschwistern. Abgefragt werden deren „Sozialverhalten“ im weitesten Sinne, psychische Erkrankungen, chronische Erkrankungen, Behinderungen, körperliche Beeinträchtigungen im Allgemeinen sowie ob Mehrlingsgeburten vorlagen:

Bis auf eine Mehrlingsgeburt (Ernsts Tante), hat er nichts zu melden. Auch keine Kurz- bzw. Weitsichtigkeit.

Die weiteren Einträge sind wieder von Dr. Hänßler:

Vom untersuchenden Arzt auszufüllen

Ergänzungen des untersuchenden Arztes zum Erbgesundheitsbogen:

1. Nachprüfung der Angaben des Bewerbers. 2. Erfragen von Psychopathien, Schwachsinn und Tbc. in der Familie. 3. Genauere Diagnosestellung. 4. Beurteilung der Erbgesundheit.

Angaben des Bewerbers geprüft. Psychopathien, Schwachsinn, Tbc sind ? (unleserlich)

Schlußurteil des untersuchenden Arztes über die Erbgesundheit: einwandfrei

Der (die) Bewerber(in) ist geeignet / nicht geeignet.

 

Die abschließende Bewertung durch die Behörde wurde nicht ausgefüllt.

Letzte Seite:

a) Ich versichere an Eidesstatt, daß ich alle Angaben in diesem Erbgesundheitsbogen (Seite 1, 2, 3, 4, und 6) nach bestem Wissen und Gewissen gemacht habe.

b) Ich bin mir bewußt, daß wissentlich falsche oder unvollständige Angaben den Ausschluß aus der SS nach sich ziehen.

(Die Unterschrift der zukünftigen Ehefrau bezieht sich nur auf Punkt a)

 

Der Erbgesundheitsbogen liefert keine neuen Hinweise für uns, da er im Prinzip leer gelassen wurde. Natürlich musste er leer bleiben – jeder Eintrag wäre ja ein potenzielles Hindernis gewesen. Interessant finde ich die Mischung aus Fragen. Einerseits wird abgefragt, ob jemand Freiheitsstrafen erhalten hat, andererseits gesundheitliche Beeinträchtigungen die genetisch bedingt sein könnten (Epilepsie, Diabetes) und körperliche Behinderungen, die ganz sicher nicht vererbbar sein können (Leistenbruch). Dazu kommen Tuberkulose und Krebs sowie die mir zunächst seltsam erscheinende Frage nach Mehrlingsgeburten.

„Gab es derartige Fälle in der Familie, hat das RuSHA über die SS-Pflegestellen und die zuständigen staatlichen Gesundheitsämter selbst weitere Nachforschungen angestellt.“ (Quelle)

 

Die ärztliche Untersuchung (Ernst)

Natürlich musste Ernst gegenüber dem ihn untersuchenden Arzt nicht nur Angaben zu seinen Vorfahren machen, er musste sich auch untersuchen lassen.

Insgesamt drei Seiten lang ist der Vordruck, den der untersuchende Arzt „für Mann oder Frau sinngemäß“ auszufüllen hatte:

3.) Eigene Vorgeschichte (Krankheiten, Unfälle, geistige Entwicklung).

Nie ernsthaft krank gewesen. Eher mittlerer Schüler. normale geistige Entwicklung. Keine Unfälle.

4.) Geschlechtskrankheiten

Welche? nein Wann?

Anschrift des behandelnden Arztes

Letzte Kontrolluntersuchung

Jetziger Befund

Ist Zeugungsfähigkeit in Frage gestellt?

Bei Verdacht latenter L. ist WaR vor und nach Provokation zu veranlassen.

5.) Menstruation

Geburten (Jahr der Geburten, Geburtsverlauf, gesundheitl. Entwicklung des Kindes)

Fehlgeburten (Zeit) (genaue Angabe)

6.) Untersuchungsbefund allgemein.

Alter 6.II.01 Jahre – Größe 166 cm – Gewicht 63,4 kg

Körperbau: muskulös (athletisch), rundlich, schlank, schwächlich,

Haltung und Gang: straff-aufgerichtet, bequem, ausgespr. schlecht,

Muskulatur: kräftig, mittel, unzureichend,

Brustkorb: gut gewölbt, faßförmig, flach-eingesunken, Verbildung,

Bauch: straff, fett, schlaff-hängend,

Gewebstonus: elastisch, schlaff,

Hautfarbe: rosigweiß, elfenbeinfarben, olivenbräunlich

Augenfarbe: blau, grau, grünlich, hellbraun, dunkelbraun,

Haarfarbe: hellblond, dunkelblond, braun, braunschwarz, rot,

Haarform: straff, schlicht, weitwellig, eingewilligt, kraus,

-> Wäre es also rein theoretisch möglich gewesen, dass ein SS-Mann die Ergebnisse olivenbräunlich / dunkelbraun / braunschwarz und kraus erzielte? Vermutlich eher nicht. Aber einzeln sind diese Charakteristika offenbar möglich und da der Bogen für beide potenziellen Ehepartner gilt, wahrscheinlich auch umso wichtiger bei der Einschätzung der potenziellen Ehefrau.

7.) Gebiß:

Ernst fehlten insgesamt vier Backenzähne, einer auf jeder Seite, drei weitere sind mit „Wurzel“ markiert und einer ist als kariös eingestuft.

Gebiß behandlungsbedürftig? janein unleserlich

8.) Befund im Einzelnen.

Narben? keine Drüsen? keine

Schilddrüse: o.L.

Kreislauforgane: o.L.

Atmungsorgane: o.L.

Bauchorgane: o.L.

Eingeweidebrüche: keine Anlage dazu? nein

Stärkere Wirbelsäulenverbiegungen: keine

Besondere nervöse Symptome: Achselschweiß: nein Tremor: nein

Hautschrift: vorhanden Patell: normal Romberg: negativ

Sinnesorgane:

Augen: farbenrichtig Pupillen: reag. nicht leserlich Schielen: nein

Sehschärfe R ohne Glas 6/6 R mit Glas –

Sehschärfe L ohne Glas 6/6 (5 überschrieben) L mit Glas –

Ohren: o.L. Flüstersprache: R 6m L 6m

Sprachfehler: ja – nein

9.) Beurteilung der Gebärfähigkeit.

Becken (Rachitis, Beckenanomalien, nötigenfalls messen, einschl. Cons. diag.)

Etwaige Störungen und Veränderungen an Utrus und Adnexen (nötigenfalls untersuchen)

10.) Fachärztliche Untersuchung oder Nachuntersuchung nötig? nein

Von wem?

11.) Psychische Auffälligkeiten keine

Begabung: normal

Macht der (die) Untersuchte glaubhaften und offenen Eindruck? ja

12.) Zusammenfassendes Urteil über Ehetauglichkeit:

a) Gesamteindruck: gut, durchschnittlich, mäßig, schlecht,

b) Ist Fortpflanzung im völkischen Sinne wünschenswert? ja

c) Bestehen z.Zt. ärztl. Bedenken gegen Eintreten einer Schwangerschaft? –

d) Liegt z.Zt. Schwangerschaft vor? –

—> Und das war es dann auch schon. Unterschrift, Stempel, ab die Post, Ernst Maier wurde für ehefähig befunden. 

 

Bei Verdacht latenter L. ist WaR vor und nach Provokation zu veranlassen.

L. steht hier für Lues (venera), Syphilis, s. Wikipedia. Hinter der Abkürzung WaR verbirgt sich der sog. Wassermann-Test, mit dem man Syphilis nachweisen konnte.

 

Angaben zur Familie (Ernst)

1.
Zum Abschluss seines Fragebogens muss Ernst zunächst seine Eltern und Großeltern auflisten, deren Alter, ggf. Sterbealter und Todesursache, sowie überstandene Krankheiten. Bei den männlichen Verwandten wird außerdem der Beruf abgefragt.

Vater: Augustin Maier, Landwirt, 71 Jahre, keine überstandenen Krankheiten

Mutter: Karolina Keller, 57 Jahre und 9 Monate, keine überstandenen Krankheiten

Großvater väterlicherseits: Augustin Maier, Landwirt,  Sterbealter 67 Jahre, Todesursache Altersschwäche, keine überstandenen Krankheiten

Großmutter väterlicherseits: Kreszentia Asal, Sterbealter 32 Jahre, Todesursache Lungenentzündung, keine überstandenen Krankheiten

Großvater mütterlicherseits: Johann Keller, Landwirt, Sterbealter 74 Jahre, Todesursache Altersschwäche, keine überstandenen Krankheiten

Großmutter mütterlicherseits: Katharina Eckert (?), Sterbealter 81 Jahre, Todesursache Altersschwäche, keine überstandenen Krankheiten

Ich versichere hiermit, daß ich vorstehende Angaben nach bestem Wissen und Gewissen gemacht habe und bin mir bewußt, daß wissentlich falsche Angaben den Ausschluß aus der SS nach sich ziehen.

Grenzach b/Lörrach, den 20. September 1935

SS-U.Scharführer Maier

2.

Zu den Anlagen zum Antrag gehört ein „Ärztlicher Untersuchungsbogen (Für Mann oder Frau sinngemäß verwenden!)“, auch dies ein Vordruck des RuSHAs:

Das Dokument ist gestempelt mit Ernsts VB-Nummer (vgl. hier), evtl. hat er den Vordruck bereits gestempelt erhalten.

1. Aussagegenehmigung.

Ich entbinde hiermit Herrn Dr. Hänßler sowie meine früheren Ärzte gegenüber dem R.u.S-Hauptamt von der ärztlichen Schweigepflicht und ermächtige das R.u.S.-Hauptamt, diese Angaben zur Eheberatung zu verwenden.

Ort: Schopfheim Datum: 4.X.35

Unterschrift Maier Ernst

2. Familienvorgeschichte

(Es sind anzugeben: 1.) erreichtes Alter, 2.) evtl. Todesursache, 3.) genaue Angaben über auffällige Störungen, z.B. endocrine Störungen, allergische Zustände, Alkoholismus).

Kinder (auch uneheliche) des (der) Untersuchten: keine

Vater: lebt, ist gesund, 71 Jahre alt.

Mutter: lebt, ist gesund, 59.

Geschwister: 14 Geschwister (11 alle gesund, 3 gestorben (1 gefallen 1 Augenentzdg. 1 Gallensteinoperation)

Geschwisterkinder: 7 alle gesund, 1 mit 18 Monaten an einer Halskrankheit gestorben

Großeltern väterlicherseits: Großvater mit 72 Jahren an Altersschwäche gest., Großmutter mit 81 Jahren gest. keine besonderen Krankheiten.

Großeltern mütterlicherseits: Großvater mit 71 Jahren gest. Großmutter mit 81 Jahren gest. keine besonderen Krankheiten.

Es fällt auf, dass die Daten nicht übereinstimmen. In seinem eigenen Fragebogen gibt Ernst für die Großeltern als Sterbealter 67 / 32 Jahre und 74 / 81 Jahre an. Der Arzt, der diese Angaben zusätzlich nochmal machen und dazu ja vermutlich abfragen muss, gibt jedoch 72 / 81 und 71 / 81 an.

Da zumindest der frühe Tod der väterlichen Großmutter nicht verwechselt werden konnte, scheint nahe zu liegen, dass der Arzt entweder nicht gut zugehört hat und daher für beide Großelternpaare die gleichen Sterbealter-Angaben nutzte, oder er evtl. gar nicht gefragt hat und einfach „sinnvolle“ Angaben machte.

Ein Blick in den Stammbaum – der auch mit abgegeben werden musste und den ich natürlich auch noch im Detail analysieren werde – liefert folgende Lebensdaten:

1. Augustin Maier (Vater), geb. 15.9.1864 = 71 Jahre

2. Karolina Maier, geb. Keller (Mutter), geb. 12.2.1877 = 58 Jahre

3. Augustin Maier (Großvater), geb. 22.11.1823, gest. 12.1.1891 = 67 Jahre

4. Kreszentia Maier, geb. Asal (Großmutter), geb. 28.8.1839, gest. 21.7.1873 = 33 Jahre

5. Johann Keller (Großvater), geb. 21.2.1837, gest. 19.8.1911 = 74 Jahre

6. Katharina Keller, geb. Eckert (Großmutter), geb. 29.10.1840, gest. 18.7.1921 = 80 Jahre

Also zumindest die Richtung stimmt bei Ernsts eigenen Angaben: Die Großmutter väterlicherseits ist jung gestorben, der Großvater väterlicherseits starb vor Ernsts Geburt, die Großeltern mütterlicherseits hat er noch kennen gelernt.

Dr. Hänßler: Dr. Eugen Hänssler (1888 – 1945; Gefallenengrab Friedhof Schopfheim), vgl. auch hier

Wieso geht Ernst in Schopfheim zum Arzt?

Ich kann aktuell (noch) nicht feststellen, ob eine Verpflichtung bestand, sich von einem der SS angehörigen Arzt untersuchen zu lassen, es liegen mir auch keine „Anweisungen zum Antrag“ o.ä. vor, Herr Dr. Hänßler unterzeichnet jedoch mit Rang und Dienststellung:

Ort: Schopfheim, 4.X.35 Roggenbachstr. 3 Datum: 4.X.35

Hänßler, Dienstgrad: SS Hauptscharführer Dienststellung: SS Sturmbannxyz II/65 (vgl. hier) m.l.s.b. (?)

(Dienstgrad und Dienststellung werden nur von SA-, SS-Ärzten usw. angegeben.)

Eugen Hänßler war also im selben SS-Sturmbann wie Ernst, wenn auch drei Ränge höher. 

UPDATE, mit Dank an Heiko Wegmann:

Dr. Eugen Hänßler war Führer der Sanitätsstaffel des Sturmbanns II (Lörrach) der 65. Standarte (m.d.F.b. = mit der Führung beauftragt, das war die Stellung, solange sie nur kommissarisch ausgeübt wurde).

Alle Angehörigen des Sturmbanns, aber auch der Reserveeinheiten usw. in der Gegend waren angehalten, sich von ihm untersuchen zu lassen. Eigentlich auch die Ehefrauen in spe, aber das hing vom Zeitpunkt ab, anfangs konnten diese sich die Ärzte noch selbst aussuchen.

Eheberatung: Hierzu wurde 1935 eine eigene Abteilung im RuSHA eingerichtet, vgl. Heineman, Isabel: Rasse, Siedlung, deutsches Blut, S.103, FN149 hier. Später mehr dazu.

1 gefallen: Zu den zahlreichen Geschwistern von Ernst hat mir Opa folgendes erzählt:

* Die Mutter (Karolina) war selbst Hebamme und hat alle ihre Kinder zuhause bekommen.

* Sie hatte insgesamt 15 Kinder.

* Einige der Namen: Karl, Bernhard, Berta, Albert, Gusti, Marie, Helen

Die Eltern mit einem Teil der Kinder, Ernst steht hinten links

Von einem Bruder, der gefallen ist, war mir bisher nichts bekannt. Natürlich kann man davon ausgehen, dass zumindest einige der Söhne im 1. Weltkrieg dienten. Die Eltern waren seit 1894 verheiratet (da war Karolina knapp 17, sie hatte also viel Zeit, all die Kinder zu kriegen), Ernst war nicht der älteste Sohn.

Wer dieser Bruder war und in welchem Verhältnis Ernst und er standen, ist nicht bekannt. Es könnte durchaus sein, dass (auch) sein Tod mit dazu beigetragen hat, dass Ernst unbedingt noch in den Krieg wollte, obwohl er eben nicht alt genug war.

Für Zell, die Gemeinde zu der Adelsberg, der Wohnort der Maiers gehört, finden sich folgende Gefallene namens Maier: Alois, Eduard, Emil, Josef, Karl August (hier).

Begraben (?) wurden folgende Soldaten namens Maier: Emil, Karl (hier).

Auf der Seite genealogy.net habe ich für Zell i.W. folgende Verwundete bzw. Gefallene gefunden:

Eduard, leicht verwundet 1916

Emil, geb. 28.12.1890, leicht verwundet b.d.Tr. 1917

Franz Joh., schwer verwundet 1915

Josef, geb. 11.10.1897, leicht verwundet 1916

Otto, geb. 20.12.1893, gefallen 1917

Hier finde ich schließlich auch Aug. Maier, gefallen 1915:

Das ist er bestimmt. Der älteste Sohn, der den Namen von Vater und Großvater trägt, zunächst schwer verwundet und dann im Feldlazarett gestorben, August 1915, wahrscheinlich in Ypern. (vgl. hier und hier).

Zum Gedenken in Adelsberg siehe: https://www.badische-zeitung.de/gedenktafel-fuer-die-gefallenen-der-kriege–22229311.html

Lebenslauf (Ernst)

Mein Name, Ernst Maier geb. am 6. II. 01 in Adelsberg Amt Schopfheim, als der Sohn des Landwirts Augustin Maier u dessen Ehefrau Karoline Maier geb. Keller. Ich besuchte die Volks- u Fortbildungsschule mit Erfolg. Aus der Schule entlassen arbeitete ich als Bauhilfsarbeiter und erlernte dann auch das Maurerhandwerk. Bei Kriegsende 1918 in meinem Vaterlande die Revolution u von Osten her vom Bolschewismus bedroht, meldete ich mich als 18jähriger am 6.3.1919 freiwillig zur 1. Garde Res.division Grenzschutz (Ost) Nach dem Rückzug aus dem Baltikum kam ich zur Hafenwache im Stettiner Freihafen, wovon ich dann Ende Oktober 1919 zum Reichswehr Inf. Reg. 115 überwiesen wurde. Um meine Alten in der Heimat besser unterstützen zu können lies ich mich auf Wunsch meiner Alten am 18. Febr. Vom Reichsw. Inf. Reg. 115 in die Heimat entlassen. Ich habe nie einer Partei angehört, aber als nach 1928 die Arbeitslosigkeit und Armut immer mehr zunahmen hatte ich große Sympathien für die einzig deutschdenkende Partei, zur N.S.D.A.P. und wurde dann im Herbst 1929 als sechster, Mitgründer der N.S.D.A.P. Ortsgruppe Zell i/W. Bei Gründung der Ortsgruppe trat ich zugleich in die S.A. ein, wovon ich am 6. Oktober 1932 zur SS überging. Nach der Machtübernahme war ich einige Zeit als Hilfspolizist tätig. Im Juli 1933 wurde ich vom Hauptzollamt Waldshut zum Grenzdienst als Hilfsgrenzangestellter eingestellt. Nach einjähriger Grenzdienstzeit wurde ich zur Angestelltenprüfung zugelassen, wonach ich nach bestandener Prüfung auf den 1. Dezember 1934 nach meinem heutigen Tätigkeitsgebiet als Zollgrenzangestellter nach Grenzach versetzt wurde.

Mit deutschem Gruß (Heil Hitler)

SS. U.Scharführer Maier Ernst

 

Volks- und Fortbildungsschule: Die Aufgabe der allgemeinen Fortbildungsschulen ist, wie gesagt, die Pflege des Volksschulwissens; sie sind daher nicht in dem Sinne Berufsschulen, in dem wir davon gesprochen haben. (Wikisource)

Stettiner Freihafen:

https://www.ebay.de/itm/174043635572

als nach 1928 die Arbeitslosigkeit und Armut immer mehr zunahmen: 

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/277373/umfrage/historische-arbeitslosenzahl-in-der-weimarer-republik/

Weiter im Text

In den letzten Monaten bin ich nicht wirklich dazu gekommen, mich mit Ernst zu befassen. Zwar habe ich – wann immer möglich – sehr viel Sekundärliteratur gelesen (insb. zu den Freikorps), habe die Akte(n) selbst jedoch nicht bearbeitet. Jetzt soll es weiter gehen.

Chronologisch waren wir stehen geblieben beim „Fragebogen“, den Dokumenten, die Ernst und Katharina auszufüllen hatten (vgl. hier). Diesen Dokumenten will ich mich jetzt widmen:

Es handelt sich um einen Formularvordruck, den Ernst Maier handschriftlich ausgefüllt hat. Insgesamt ist der „Fragebogen“ vier Seiten lang. Ich gebe hier die erste Seite wieder, weitere Seiten auszugsweise.

Zunächst werden biografische Angaben abgefragt:

Name (leserlich schreiben): Maier Ernst (leserlich… nunja)

in SS seit 6. Oktober 1933 Dienstgrad: Unter-Scharführer SS-Einheit: Res. 2/65

in SA von Oktober 1929 bis 6. Oktober 1932 in HJ von – bis –

Mitgliedsnummer in Partei: 359390 in SS: 58640

geb. am 6. Febr 1901 zu Adelsberg Amt Schopfheim Kreis: Lörrach

Land: Baden jetzt Alter: 34 Jahre 9 Monate Glaubensbek.: kath.

-> An dieser Stelle der erste Einschub: Ernst bezeichnet sich, obwohl zu diesem Zeitpunkt seit vielen Jahren in der NSDAP und SS bzw. zuvor SA aktiv, als „katholisch“. Er war demnach weiterhin Mitglied der katholischen Kirche. Alternativ hätte er die Option gehabt, hier anzugeben, dass er keiner Kirche angehört. Tatsächlich wurde diese Frage genau zum Zeitpunkt als Ernst seinen Fragebogen ausfüllte, vom nationalsozialistischen Staat bearbeitet und ab November 1936, also nur wenige Zeit später, bestand die (gewollte) Option, sich als „gottgläubig“ auszuweisen. Damit erklärte man, seine prinzipielle Gläubigkeit an höhere Dinge, identifizierte sich aber als nicht-Kirchenmitglied. Eine kurze aber aussagekräftige Zusammenfassung zum Thema „Gottgläubigkeit“ findet sich bei Wikipedia.

Weiter im Text.

Jetziger Wohnsitz: Grenzach b./Lörrach  Wohnung: Hauptstraße No. 3

Beruf und Berufsstellung: Zollgrenzangestellter

Liegt Berufswechsel vor? nein

-> Zu diesem Zeitpunkt war Ernst noch lediglich Zollgrenzangestellter, er legte die Prüfung zum Zollassistenten erst im März 1937 ab. Dies geht aus der Korrespondenz seiner dann-Witwe Katharina mit der Oberfinanzdirektion Freiburg in den 50er Jahren hervor:

Als Zollgrenzangestellter war er – obwohl bereits 34 Jahre (und 9 Monate!) alt – tatsächlich noch auf einer „Einstiegsposition“ (vgl. Zollgrenzschutz.de). Umso verwunderlicher, dass er nicht wenigstens die Möglichkeit genutzt hat, anzugeben, dass er ja so eine Art „Quereinsteiger“ war. Wieso gibt er an, ein Berufswechsel liege nicht vor? Immerhin war er bei seinem Eintritt in die NSDAP noch Bauarbeiter (vgl. die Analyse der Karteikarte hier und hier).

 

 

Interessanterweise scheint auch in der Gaukartei erst im August 1936 die Angabe zum Beruf geändert worden zu sein. Die Handschrift, mit der „Zollang.“ ergänzt wurde, hat ebenfalls die Änderungen des Wohnorts sowie der Ortsgruppe (Grenzach) und die Angabe zum Wiedereintritt eingefügt. Und das obwohl Ernst bereits seit 1933 im Dienst des Zollgrenzschutzes war. Es wird deutlich, dass sich Ernst Maier wohl erst in Zusammenhang mit seinem Wunsch, heiraten zu wollen, damit befasst hat, seine Papiere in Ordnung zu bringen.

Und weiter.

Außerberufliche Fertigkeiten und Berechtigungsscheine, z.B.: keine

Führerschein, Sportabzeichen: S.A. Sportabzeichen

Sportauszeichnungen: –

Ehrenamtliche Tätigkeiten: SS Angestellter beim Zoll (Grenzdienst) von Juli 33 bis Dez. 1934

-> Inwiefern das als Ehrenamt gelten soll, ist zumindest aus heutiger Perspektive fraglich. Zumindest wird aber deutlich, dass Ernst Maier (und ggf. auch allgemein) das Verständnis gehabt haben mag, dass seine Tätigkeit beim Zoll (immerhin 1,5 Jahre lang) eine Art „Abordnung“ als SS-Mann und nicht eine Anstellung bei der Behörde bedeutete.

Dienst im alten Heer: Truppe 1. Garde. Res. Division Grenzschutz Ost von 6.3.1919 bis Oktober 1919

Reichswehr: Inf. Reg. 115 von Oktober 1919 bis 18. Febr. 1920

Schutzpolizei –

Letzter Dienstgrad –

Frontkämpfer –

Orden und Ehrenabzeichen einschl. Rettungsmedaille: –

-> Hier nun ist/wäre die Gelegenheit, zu glänzen. Immerhin war Ernst, obwohl gerade erst 18 Jahre alt, noch Teil der der Freikorps! Ein knappes Jahr also hat er gedient. Und trotzdem keinen Dienstgrad anzugeben? Das kann eigentlich nicht sein. Wieso lässt er das Feld also leer?

Welcher Konfession ist der Antragsteller? katholischer die zukünftige Braut? kath. (Als Konfession wird auch außer dem herkömmlichen jedes andere gottgläubige Bekenntnis angesehen.)

Ist neben der standesamtlichen Trauung eine kirchliche Trauung vorgesehen? JaNein

Gegebenenfalls nach welcher konfessionellen Form? katholischer

-> Drei Mal hat er die Möglichkeit, sich von der Kirche zu distanzieren, drei Mal wählt er die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche. Immerhin.

Post von der Deutschen Dienststelle

auf Ihren Antrag vom 07.11.2016 teile ich Ihnen mit, dass die Personalpapiere (Wehrpass, Wehrstammbuch, Stammrolle) Ihres Urgroßvaters hier nicht vorliegen; sie sind vermutlich durch Kriegseinwirkung verloren gegangen.

Aus sonstigem Schriftgut der ehemaligen Wehrmacht wird Folgendes bestätigt:

MAIER, Ernst geboren am 06.02.1901 in Adelsberg Kreis Schopfheim

Heimatanschrift: Ehefrau: Käthe M., Wollbach/Baden/Kreis Lörrach

Erkennungsmarke: -V 208-

Truppenteile:

lt. Meldung vom 08.09.1939  – 16. Grenzwachtkompanie 33

lt. Meldung vom 05.03.1943 – Bezirkskommando Zoll Grenzschutz Mitte Nr.6 D

Dienstgrad: lt. Meldung vom 05.03.1943 (kein Beförderungsdatum) – Zollsekretär

vermisst: am 05.03.1943 bei Ossetkin an der russisch-lettischen Grenze, kam am Morgen um 8.00 Uhr mit Partisanen in Gefechtsberührung

Sollte uns noch eine Nachricht zugehen, die Aufschluss über sein Schicksal gibt, erhalten Sie umgehend Bescheid.

 

Wir erinnern uns an die Frage nach dem „richtigen“ Ossetkin und meine vorläufig abschließende Bemerkung, dass es „daher an dieser Stelle aufgrund weiterer fehlender Hinweise [bleiben muss], welches “Ossetkin” in der Vermisstmeldung vom März 1943 gemeint war.“

Aufgrund der neuen Angaben „an der russisch-lettischen Grenze“ liegt der Schluss nahe, dass der gesuchte Ort das bei Google als Asietki zu findende Dorf sein müsste. Andererseits sind es von dort bis zur heutigen lettischen Grenze auch immer noch über 60k, Luftlinie und auf der Straße über 200km.

Der Einfachheit halber habe ich alle möglichen Ossetkins auf dieser Karte eingetragen.

Außerdem habe ich diese Karte von Lettland zur Zeit der deutschen Besatzung gefunden:

https://arge-baltikum.de/assets/img/karten/1941-44_Generalpostkommissariat_Ostland_Generalbezirk_Lettland_s.jpg

Die Grenzen stimmen, soweit ich das beurteilen kann, noch ziemlich mit den heutigen überein:

Wir müssen annehmen, dass die Angabe über den Ort seines Verschwindens einige Zeit nach dem tatsächlichen Verschwinden gemacht bzw. dokumentiert wurde. Als Ernst verschwand, dürfte man wohl kaum von einer „russisch-lettischen“ Grenze gesprochen haben. Er war entweder an der Front stationiert oder in Front-Nähe, aber jedenfalls nicht an einer irgendwie gearteten Grenze in dem Sinne.

Andererseits kommt es natürlich auch auf die Perspektive an – für die Familie in der Heimat war es sicherlich relativ wie weit weg von Lettland der Ort, an dem Ernst verschwand tatsächlich lag, als Orientierung war es nah genug.

Bis auf Weiteres werde ich annehmen, dass es sich um den Ort „Asietki“ handelte.

DAS Bild und jede Menge Abzeichen

An Weihnachten hat Opa mir DAS Bild mitgebracht.

Gleich vorneweg: Die Uniform, nunja auf DEM Bild ist sie wohl nicht schwarz. Damit bricht die Geschichte jetzt nicht zusammen. Ich muss den Einstieg eben nur nochmals etwas überdenken. Anpassen.

Was sehen wir?

Ernst, Katharina und die beiden Söhne (Opa und sein Bruder). Die Jungs wurden beide chic gemacht – Latzhosen, Hemden, Kniestrümpfe, Halsschmuck.

Ernst trägt Uniform, natürlich, aber keine Mütze.

Mit etwas Fantasie kann man die Schulterklappenauflage des Zollgrenzschutzes erkennen:

Von Hoschi72 – Selbstfotografiert, CC BY-SA 3.0, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=1410977

 

 

 

 

 

 

 

Das Thema Uniformen ist interessanter, als ich dachte. Bzw. das Identifizieren der richtigen Begriffe, die es zu googlen gilt, damit man herausfinden kann, um was für eine Uniform es sich wohl handeln mag.

Hier ein Bild eines „Hilfszollassistenten“. Im Gegensatz zu Ernst ist auf seinem Kragenspiegel nur ein Viereck zu sehen.

https://www.zollgrenzschutz.de/images/zgs/organisation/vgad/img1816.jpg

Aber man findet online ja fast alles:

https://www.kpemig.de/Zoll-Reichsfinanzverwaltung-IIIReich-Paar-Kragenspiegel_1

Das kommt ganz gut hin, oder?

Aufgrund seiner Abzeichen bestätigt sich, dass Ernst Maier zum Zeitpunkt der Aufnahme dieses Bildes (ca. 1941) Zollsekretär war (vgl. dazu auch hier).

Was noch? Natürlich, die Insignien der Partei und ihrer Organe:

Das ist zunächst das „SA-Sportabzeichen„.

Von User:PresslA – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=54095815

 

Das SA-Sportabzeichen, später umbenannt in SA-Wehrabzeichen, diente in der Zeit des Nationalsozialismus als Auszeichnung für Männer, die sich gemäß der nationalsozialistischen Ideologie zur „Hebung der Volksgesundheit“ sportlich betätigten.

Auf Wikipedia findet sich eine Übersicht dazu, was geleistet werden musste, um das Abzeichen zu erhalten. Neben auch heute im Rahmen des Sportabzeichens abzuleistenden „Standard“ Disziplinen wie Laufen, Weitsprung und Werfen, findet sich in der sog. „Gruppe II Grundübungen“ auch Kleinkaliberschießen und im Bereich „Geländesport“ (Gruppe III), „Übung 12: Geländebeurteilung, „zu beurteilen für Vorgehen eines Spähtrupps“.

Leider ist auf dem schwarzweiß Bild nicht zu erkennen, ob Ernst das Abzeichen in Bronze, Silber oder Gold erworben hatte.

Und dann natürlich das Parteiabzeichen:

https://www.ma-shops.de/futter/item.php?id=930

Welche Art von Einsatzmedaille er darüber hinaus erhalten hat, bzw. aus welchem Grund er eine Bandschnalle trug, kann ich beim besten Willen nicht entziffern. Ich bin aber froh, dass ich die Begriffe gefunden habe!

 

UPDATE: Bei dem hier nur undeutlich zu erkennenden Abzeichen scheint es sich um die sog. „Sudetenland-Medaille“ (vgl. Wikipedia) zu handeln. Für diesen Hinweis danke ich Arne Becker.

Von PimboliDD – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9951367

Das war Ernst.

Jetzt kommt Katharina.

Auch sie hat sich hübsch gemacht für das Foto. Haare, Ohrringe. Und – das Abzeichen der NS-Frauenschaft bzw. des Deutschen Frauenwerks. Ich vermute, es handelt sich um das Deutsche Frauenwerk, weil das Zeichen dort den Winkel fast komplett ausfüllt, aber genau bestimmen kann ich es nicht. Die beiden Abzeichen sind doch SEHR ähnlich:

Von Von tempest – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20259546

https://www.milantik.de/1919-1945-mitglieds-kleinabz/

 

UPDATE: Auch hier ergänze ich gerne einen Hinweis von Arne Becker, der mir schreibt, es handle sich um „das normale Mitgliedsabzeichen der NS-Frauenschaft“. Danke dafür.

Der Unterschied?

Das DFW unterstand zwar als eingetragener Verein mit eigenem Vermögen formal nicht der NSDAP, war aber der Partei als „betreuter Verband“ angegliedert. DFW und die der NSDAP direkt unterstellte NS-Frauenschaft waren personell eng verbundene Organisationen, weil die Reichsfrauenführerin Gertrud Scholtz-Klink an der Spitze beider Organisationen stand. Im DFW waren ca. 1,7 Millionen Frauen organisiert, in der NS-Frauenschaft ca. 2,3 Millionen. (Wikipedia)

Die NS-Frauenschaft sollte die gesamte Frauenarbeit leiten. Sie unterstand der NSDAP-Reichsleitung, beschäftigte sich mit wirtschaftlichen und krankenpflegerischen Tätigkeiten und wirkte an den politischen Schulungen der NSDAP-Mitglieder mit. Die von der NS-Frauenschaft propagierte „deutsche Frau“ wurde als Hausfrau und Mutter definiert. […] Das Deutsche Frauenwerk, ein eingetragener Verein, diente als Sammelbecken für die gleichgeschalteten bürgerlichen Frauenbewegungen und war personell mit der NS-Frauenschaft eng verbunden. Das Frauenwerk sollte alle deutschen Frauen in den Dienst des Volkes und des Staates stellen und sie ideell auf den Krieg vorbereiten. Ziel war dabei, nicht nur eine Akzeptanz des Krieges, sondern auch die Bereitschaft der Frauen zu wecken, sich daran zu beteiligen. (Oberösterreichische Museen)

Mehr zu NS-Frauenschaft auch hier.

Laut Bundeszentrale für politische Bildung handelt es sich bei der als Abzeichen für beide Organisationen genutzten Rune um die sog. „Elch-Rune“:

In der Verwendung der Nationalsozialisten wurde die Rune unabhängig von ihrer ursprünglichen Bedeutung als „Lebensrune“ interpretiert, die das menschliche Leben, Geburt und Fruchtbarkeit symbolisieren sollte. Die Rune wurde daher zum Abzeichen der „NS-Frauenschaft“, des „Deutschen Frauenwerks“ und des „Reichsbund Deutsche Familie“. Daneben wurde es auch zum Dienstrangabzeichen des SA-Sanitätswesens und mitunter (inoffiziell) zum Zeichen nationalsozialistischer Apotheker. Als Symbol für „Geburt“ findet es sich (zum Teil immer noch, aber verbotener Weise) auf Grabsteinen von SS-Angehörigen neben dem Geburtsdatum. Heute nutzen Esoteriker vereinzelt die immer noch als „Lebensrune“ sinnentfremdete Rune unabhängig vom Geburtsdatum auf Grabsteinen, wo sie „Leben“, „Wiedergeburt“ oder Ähnliches symbolisieren soll.

 

„Fragebogen“

Es wird jetzt chronologisch etwas schwierig.

Dass die vorliegende Akte nicht in dem Sinne chronologisch aufgebaut ist, wie man es sich wünschen würde (wo die jüngsten Schreiben / Dokumente entweder ganz vorne oder ganz hinten abgeheftet werden und dann fortlaufend nachgeordnet die weiteren Unterlagen), hatte ich schon erwähnt.

Dazu kommt jetzt (vgl. hier), dass Ernst Maier im Zuge der Bearbeitung seines Antrags, einen Teil der Antrags-Unterlagen nachfordern musste.

Die inhaltlich sinnvolle Rekonstruktion ergibt, dass die „nächsten“ Dokumente nun also diese Antragsunterlagen sind. Es handelt sich um einen sog. „Fragebogen zur Erlangung der Verlobungsgenehmigung“, der sowohl vom SS-Angehörigen, als auch seiner Braut jeweils auszufüllen war. Ergänzt wurde diese Selbstauskunft durch „Ärztliche Untersuchungsbogen“ – auszufüllen vom Hausarzt des Antragstellers und seiner zukünftigen Ehefrau – „SS-Erbgesundheitsbogen“ (mit Angaben jeweils beider Seiten – Arzt und Antragsteller / Braut) sowie „SS-Ahnentafeln“ beider Partien.

  • Ernst Maiers „Fragebogen“ ist mit 20.09.1935 datiert
  • Ernst Maiers „Ärztlicher Untersuchungsbogen“ wurde am 04.10.1935 ausgestellt
  • Katharina Winters „Fragebogen“ hat sie am 22.09.1935 unterschrieben
  • Katharina Winters „Ärztlicher Untersuchungsbogen“ trägt das Datum 07.10.1935
  • Ernst Maiers „Erbgesundheitsbogen“ hat der hinzugezogene Arzt am 06.10.1935 abgezeichnet
  • Katharina Winters „Erbgesundheitsbogen“ stammt vom selben Tag wie ihr Untersuchungsbogen: 07.10.1935
  • Der Abgleich der eingereichten Ahnentafeln durch die zuständige SS-Einheit (R2/65, wir erinnern uns) erfolgte am 15.10.1935

Was für ein Wust an Unterlagen!

Ernst Maier übersandte die Dokumente – vermutlich – mit folgendem Begleitschreiben, in dem er um eine zügige Bearbeitung bittet. (Es handelt sich bei diesem Schriftstück um das am schlechtesten zu entziffernde der ganzen Akte…)

Stempel: Eilt sehr

An den usw.

Was direkt auffällt: Die ??!, die handschriftlich von einem Bearbeiter im RuSHA hinzugefügt wurden.

Warum war man da so erstaunt?

Das Schreiben beginnt mit den Worten „Betr. Schwangerschaft meiner Braut…“

Das war neu.

Betr. Schwangerschaft meiner Braut fühle ich mich dazu verpflichtet, nach Überprüfung der arischen Abstammung Arzt-Schein u.s.w. sofort zu heiraten. In höfl. Bitte, einer baldigen Genehmigung entgegensehend zurück mit Heil Hitler …

Mutig, mutig mein Lieber.

a) Bevor er die Unterlagen auch nur ansehen kann, wird der Bearbeiter (und Entscheider?) mit der Tatsache konfrontiert, dass die zukünftige Ehefrau schwanger ist

b) Die Überprüfung der arischen Abstammung wird als Ergebnis vorweg genommen

Ich sag mal so. Ich hätte da auch Fragen. ??!

Der Bearbeiter vermerkt denn auch groß und deutlich: sofort.

(Ich weiß, es wird zur Obsession, aber es sei erneut auf den schnellen Gang der Dinge verwiesen – Poststempel vom 17.10.!)