„Fragebogen“

Es wird jetzt chronologisch etwas schwierig.

Dass die vorliegende Akte nicht in dem Sinne chronologisch aufgebaut ist, wie man es sich wünschen würde (wo die jüngsten Schreiben / Dokumente entweder ganz vorne oder ganz hinten abgeheftet werden und dann fortlaufend nachgeordnet die weiteren Unterlagen), hatte ich schon erwähnt.

Dazu kommt jetzt (vgl. hier), dass Ernst Maier im Zuge der Bearbeitung seines Antrags, einen Teil der Antrags-Unterlagen nachfordern musste.

Die inhaltlich sinnvolle Rekonstruktion ergibt, dass die „nächsten“ Dokumente nun also diese Antragsunterlagen sind. Es handelt sich um einen sog. „Fragebogen zur Erlangung der Verlobungsgenehmigung“, der sowohl vom SS-Angehörigen, als auch seiner Braut jeweils auszufüllen war. Ergänzt wurde diese Selbstauskunft durch „Ärztliche Untersuchungsbogen“ – auszufüllen vom Hausarzt des Antragstellers und seiner zukünftigen Ehefrau – „SS-Erbgesundheitsbogen“ (mit Angaben jeweils beider Seiten – Arzt und Antragsteller / Braut) sowie „SS-Ahnentafeln“ beider Partien.

  • Ernst Maiers „Fragebogen“ ist mit 20.09.1935 datiert
  • Ernst Maiers „Ärztlicher Untersuchungsbogen“ wurde am 04.10.1935 ausgestellt
  • Katharina Winters „Fragebogen“ hat sie am 22.09.1935 unterschrieben
  • Katharina Winters „Ärztlicher Untersuchungsbogen“ trägt das Datum 07.10.1935
  • Ernst Maiers „Erbgesundheitsbogen“ hat der hinzugezogene Arzt am 06.10.1935 abgezeichnet
  • Katharina Winters „Erbgesundheitsbogen“ stammt vom selben Tag wie ihr Untersuchungsbogen: 07.10.1935
  • Der Abgleich der eingereichten Ahnentafeln durch die zuständige SS-Einheit (R2/65, wir erinnern uns) erfolgte am 15.10.1935

Was für ein Wust an Unterlagen!

Ernst Maier übersandte die Dokumente – vermutlich – mit folgendem Begleitschreiben, in dem er um eine zügige Bearbeitung bittet. (Es handelt sich bei diesem Schriftstück um das am schlechtesten zu entziffernde der ganzen Akte…)

Stempel: Eilt sehr

An den usw.

Was direkt auffällt: Die ??!, die handschriftlich von einem Bearbeiter im RuSHA hinzugefügt wurden.

Warum war man da so erstaunt?

Das Schreiben beginnt mit den Worten „Betr. Schwangerschaft meiner Braut…“

Das war neu.

Betr. Schwangerschaft meiner Braut fühle ich mich dazu verpflichtet, nach Überprüfung der arischen Abstammung Arzt-Schein u.s.w. sofort zu heiraten. In höfl. Bitte, einer baldigen Genehmigung entgegensehend zurück mit Heil Hitler …

Mutig, mutig mein Lieber.

a) Bevor er die Unterlagen auch nur ansehen kann, wird der Bearbeiter (und Entscheider?) mit der Tatsache konfrontiert, dass die zukünftige Ehefrau schwanger ist

b) Die Überprüfung der arischen Abstammung wird als Ergebnis vorweg genommen

Ich sag mal so. Ich hätte da auch Fragen. ??!

Der Bearbeiter vermerkt denn auch groß und deutlich: sofort.

(Ich weiß, es wird zur Obsession, aber es sei erneut auf den schnellen Gang der Dinge verwiesen – Poststempel vom 17.10.!)