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In den letzten Monaten bin ich nicht wirklich dazu gekommen, mich mit Ernst zu befassen. Zwar habe ich – wann immer möglich – sehr viel Sekundärliteratur gelesen (insb. zu den Freikorps), habe die Akte(n) selbst jedoch nicht bearbeitet. Jetzt soll es weiter gehen.

Chronologisch waren wir stehen geblieben beim „Fragebogen“, den Dokumenten, die Ernst und Katharina auszufüllen hatten (vgl. hier). Diesen Dokumenten will ich mich jetzt widmen:

Es handelt sich um einen Formularvordruck, den Ernst Maier handschriftlich ausgefüllt hat. Insgesamt ist der „Fragebogen“ vier Seiten lang. Ich gebe hier die erste Seite wieder, weitere Seiten auszugsweise.

Zunächst werden biografische Angaben abgefragt:

Name (leserlich schreiben): Maier Ernst (leserlich… nunja)

in SS seit 6. Oktober 1933 Dienstgrad: Unter-Scharführer SS-Einheit: Res. 2/65

in SA von Oktober 1929 bis 6. Oktober 1932 in HJ von – bis –

Mitgliedsnummer in Partei: 359390 in SS: 58640

geb. am 6. Febr 1901 zu Adelsberg Amt Schopfheim Kreis: Lörrach

Land: Baden jetzt Alter: 34 Jahre 9 Monate Glaubensbek.: kath.

-> An dieser Stelle der erste Einschub: Ernst bezeichnet sich, obwohl zu diesem Zeitpunkt seit vielen Jahren in der NSDAP und SS bzw. zuvor SA aktiv, als „katholisch“. Er war demnach weiterhin Mitglied der katholischen Kirche. Alternativ hätte er die Option gehabt, hier anzugeben, dass er keiner Kirche angehört. Tatsächlich wurde diese Frage genau zum Zeitpunkt als Ernst seinen Fragebogen ausfüllte, vom nationalsozialistischen Staat bearbeitet und ab November 1936, also nur wenige Zeit später, bestand die (gewollte) Option, sich als „gottgläubig“ auszuweisen. Damit erklärte man, seine prinzipielle Gläubigkeit an höhere Dinge, identifizierte sich aber als nicht-Kirchenmitglied. Eine kurze aber aussagekräftige Zusammenfassung zum Thema „Gottgläubigkeit“ findet sich bei Wikipedia.

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Jetziger Wohnsitz: Grenzach b./Lörrach  Wohnung: Hauptstraße No. 3

Beruf und Berufsstellung: Zollgrenzangestellter

Liegt Berufswechsel vor? nein

-> Zu diesem Zeitpunkt war Ernst noch lediglich Zollgrenzangestellter, er legte die Prüfung zum Zollassistenten erst im März 1937 ab. Dies geht aus der Korrespondenz seiner dann-Witwe Katharina mit der Oberfinanzdirektion Freiburg in den 50er Jahren hervor:

Als Zollgrenzangestellter war er – obwohl bereits 34 Jahre (und 9 Monate!) alt – tatsächlich noch auf einer „Einstiegsposition“ (vgl. Zollgrenzschutz.de). Umso verwunderlicher, dass er nicht wenigstens die Möglichkeit genutzt hat, anzugeben, dass er ja so eine Art „Quereinsteiger“ war. Wieso gibt er an, ein Berufswechsel liege nicht vor? Immerhin war er bei seinem Eintritt in die NSDAP noch Bauarbeiter (vgl. die Analyse der Karteikarte hier und hier).

 

 

Interessanterweise scheint auch in der Gaukartei erst im August 1936 die Angabe zum Beruf geändert worden zu sein. Die Handschrift, mit der „Zollang.“ ergänzt wurde, hat ebenfalls die Änderungen des Wohnorts sowie der Ortsgruppe (Grenzach) und die Angabe zum Wiedereintritt eingefügt. Und das obwohl Ernst bereits seit 1933 im Dienst des Zollgrenzschutzes war. Es wird deutlich, dass sich Ernst Maier wohl erst in Zusammenhang mit seinem Wunsch, heiraten zu wollen, damit befasst hat, seine Papiere in Ordnung zu bringen.

Und weiter.

Außerberufliche Fertigkeiten und Berechtigungsscheine, z.B.: keine

Führerschein, Sportabzeichen: S.A. Sportabzeichen

Sportauszeichnungen: –

Ehrenamtliche Tätigkeiten: SS Angestellter beim Zoll (Grenzdienst) von Juli 33 bis Dez. 1934

-> Inwiefern das als Ehrenamt gelten soll, ist zumindest aus heutiger Perspektive fraglich. Zumindest wird aber deutlich, dass Ernst Maier (und ggf. auch allgemein) das Verständnis gehabt haben mag, dass seine Tätigkeit beim Zoll (immerhin 1,5 Jahre lang) eine Art „Abordnung“ als SS-Mann und nicht eine Anstellung bei der Behörde bedeutete.

Dienst im alten Heer: Truppe 1. Garde. Res. Division Grenzschutz Ost von 6.3.1919 bis Oktober 1919

Reichswehr: Inf. Reg. 115 von Oktober 1919 bis 18. Febr. 1920

Schutzpolizei –

Letzter Dienstgrad –

Frontkämpfer –

Orden und Ehrenabzeichen einschl. Rettungsmedaille: –

-> Hier nun ist/wäre die Gelegenheit, zu glänzen. Immerhin war Ernst, obwohl gerade erst 18 Jahre alt, noch Teil der der Freikorps! Ein knappes Jahr also hat er gedient. Und trotzdem keinen Dienstgrad anzugeben? Das kann eigentlich nicht sein. Wieso lässt er das Feld also leer?

Welcher Konfession ist der Antragsteller? katholischer die zukünftige Braut? kath. (Als Konfession wird auch außer dem herkömmlichen jedes andere gottgläubige Bekenntnis angesehen.)

Ist neben der standesamtlichen Trauung eine kirchliche Trauung vorgesehen? JaNein

Gegebenenfalls nach welcher konfessionellen Form? katholischer

-> Drei Mal hat er die Möglichkeit, sich von der Kirche zu distanzieren, drei Mal wählt er die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche. Immerhin.

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