Grenzacher Ärzte 2: Friedrich Pitsch

Im Rahmen von Katharinas medizinischer Untersuchung sind wir auf Dr. Friedrich Pitsch gestoßen. Die Recherche nach ihm hat mich immer wieder beschäftigt und ist noch nicht abgeschlossen.

Dr. Friedrich Pitsch muss ein sehr interessanter Mensch gewesen sein. Den Angaben nach, die ich auf diversen Wegen finden konnte, verdiente er sich zwar als Arzt in Grenzach seinen Lebensunterhalt, war aber vermutlich vielmehr an anderen Dingen interessiert.

Zunächst einmal ist da der Eintrag im Grenzacher Ortssippenbuch:

Familie Pitsch, das sind demnach der aus Pommern stammende Gustav und seine Frau Hedwig und deren Kinder Katharina (* 1881, evtl. noch in Pommern) und der 13 Jahre jüngere Friedrich (* 1894), ein Nachzügler, bei dessen Geburt die Eltern bereits 45 und 39 Jahre alt sind.

Weiterhin erfahren wir, dass Friedrich mit der gleichalterigst Lilly Roth verheiratet war, einen Sohn, Hansjörg, hatte und in Freiburg verstarb. Hansjörg wiederum, geboren 1930, ist mit Frau und Tochter, ebenso wie seine Mutter, Lilly, nach Amerika ausgewandert.

Ein Eintrag, der viele Fragen aufwirft.

Auf ancestry.com hat ein Hans Pitsch aus Ohio, höchstwahrscheinlich der im Ortssippenbuch genannte Sohn, oder evtl. dessen Sohn, also der Enkel von Friedrich, eine Reihe von Dokumenten hinterlegt. Ich habe Hans Pitsch kontaktiert, bisher aber leider (noch) keine Antwort erhalten.

Das interessanteste Dokument ist der Nachruf auf Friedrich Pitsch, laut Angabe aus den Basler Nachrichten :

Dr. Pitsch war, als er starb nicht mehr länger Hausarzt, sondern mittlerweile Leiter der Gesundheitsabteilung im badischen Innenministerium und Regierungsmedizinaldirektor!

Sein Vater, der aus Pommern stammende Oberregierungsrat, war Vorsteher des Badischen Bahnhofs in Basel.

Dr. Pitsch war Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Das stellt seine Diagnose bei Katharina (Cervixkatarrh) wieder in einem anderen Licht dar.

In Basel machte Pitsch nicht nur seinen Facharzt, sondern anschließend bei C.G. Jung auch ein zusätzliches psychologisches Studium. Und auch mit Albert Schweizer war er bekannt!

Nach 1945 baute Dr. Pitsch das badische Gesundheitswesen (neu) auf und nahm als Funktionär auch an der Zeremonie zur Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland in die WHO teil.

Hans Pitch hat auch die Todesanzeige hochgeladen:

Dr. Pitsch war demnach wieder verheiratet, nachdem seine erste Frau Lilly (s.o.), nach Amerika ausgewandert war.

Im Gemeindearchiv Grenzach habe ich weitere Unterlagen gefunden. In den Dokumenten des Bürgermeisters (1952 war das laut Wikipedia Jakob Ewelshäuser) ist ebenfalls die Todesanzeige überliefert:

Bürgermeister Ewelshäuser und Dr. Pitsch waren offenbar alte Freunde – nicht nur ist sein Kondolenzbrief im Gemeindearchiv überliefert, sondern auch Neujahrsgrüße zum Jahreswechsel 1950/51 (Dr. Pitsch sandte ein Gedicht auf Alemannisch).

Weiterhin gibt es im Landesarchiv Baden-Württemberg Unterlagen zu Friedrich Pitsch, die ich angefordert habe. Diese Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt.

Grenzacher Ärzte 1: Arthur Friedrich Bergmann

Arthur Friedrich Bergmann ist der Zahnarzt, der Ernst ad hoc eine Bescheinigung über eine Behandlung ausstellt:

Arthur Friedrich Bergmann – Dentist, staatlich geprüft

Laut Wikipedia handelte es sich bei Dentisten um Zahntechniker, die nach erfolgreichem Besuch einer Dentistenschule Patienten behandeln durften.

1910 umfasste die Ausbildung zum Dentisten in Deutschland mindestens sechs Jahre. Davon waren drei Jahre bei einem Dentisten zu absolvieren, ein Jahr Ausbildung in Prothetik, vorwiegend bei einem Zahnarzt. Anschließend erfolgte eine viersemestrige Ausbildung an einem Lehrinstitut für Dentisten mit abschließender Prüfung. Ausbildungsbefugt an den Lehrinstituten für Dentisten waren approbierte Medizinalpersonen.

1920 wurde die dentistische Ausbildung staatlich anerkannt. Nach Abschluss der dentistischen Staatsprüfung waren die Absolventen „Staatlich geprüfte Dentisten“. Sie erhielten keine Approbation.

Im Bundesarchiv bin ich bei der Recherche nach dem Zoll in Grenzach erneut auf Herrn Bergmann gestoßen. Im Sommer 1943 schreibt Oberregierungsrat Karrasch vom Oberfinanzpräsidium in Karlsruhe an das Reichsfinanzministerium in Berlin:

(Schlechter Scan)

Arthur Friedrich (Bergmann) hatte seine Praxis also in der Baslerstraße 49 (vermutlich auch schon 1935):

Die Praxis liegt damit nur etwa 100m vom Elternhaus Katharinas im Bäumleweg entfernt. Ob Herr Bergmann ein persönlicher Bekannter oder Bekannter der Familie Winter war, oder ob es einfach am schnellsten war – jedenfalls liegt nahe, wieso Ernst zu ihm ging, um schnell eine Bescheinigung zu erhalten. Ich glaube irgendwie nicht, dass er tatsächlich schon länger dort in Behandlung war.

Im Juni 1943 jedenfalls, also einige Jahre später, möchte Herr Bergmann in die Schweiz übersiedeln und sein zwanzig Jahre altes Haus schnellstmöglich verkaufen. Er ist auch bereit, unter Wert zu verkaufen, wenn es nur schnell geht.

Die Situation des Bezirkszollkommissariats scheint besorgniserregend: „Die bisherige Unterbringung ist völlig unzureichend. Der BZKom hat eine Notwohnung inne, die Diensträume sind in dunklen Räumen eines Privathauses untergebracht.“ Das ist erstmal seltsam, denn 1935 existierte ein Zollhaus (s. Ernsts Bemühungen um eine Wohnung dort) und aus weiteren Akten weiß ich, dass weitere Zollhäuser geplant waren.

Der Erwerb des Hauses ist daher dringend zu empfehlen.“

Doch bereits einen Tag später muss Karlsruhe eine Korrektur nach Berlin schicken: Der Kaufpreis soll doch höher sein, ein Missverständis:

Herr Bergmann will zwar wirklich verkaufen – es taucht jetzt noch ein weiterer Interessent auf – doch zu einem anständigen Preis.

Auf welchem Wege gingen die Meldungen nach Berlin? Per Post? Jedenfalls kommt das zweite Schreiben kurz nach dem ersten dort an. Ob die Bestätigung per Telegram, datiert vom 25.06. jedoch VOR oder NACH der ergänzenden Information versandt wurde, kann nicht eindeutig festgestellt werden:

Vor Ort nahm man nun eine Schätzung des tatsächlichen Wertes vor und machte ein Gegenangebot: 35.000 RM.

Herr Bergmann (jetzt richtig benannt), will „in die Schweiz zurück kehren“. Er scheint Schweizer zu sein, oder anderweitig ein Aufenthaltsrecht dort zu besitzen. Außerdem will er „über den Kaufpreis verfügen könne[n], d.h., daß ihm der Transfer in die Schweiz gestattet werde.“

Dies war tatsächlich nicht unproblematisch, denn das Deutsche Reich erhob eine Sondersteuer für Auswanderer (vgl. hierzu den Bericht der Unabhängigen Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg Flüchtlingen, Link, hierzu ab S.185).

Bei Arthur Friedrich Bergmann handelte es sich offenbar um einen Schweizer, der als Rückwanderer von den strengen Gesetzen, insb. jüdische Flüchtlinge betreffend, ausgenommen war, trotzdem war es – wie auch im Schreiben bereits ersichtlich wird – nicht einfach, Vermögenswerte „mitzunehmen“:

[…] am 19. August 1937 vereinbarten die beiden Staaten, dass die emigrierenden Schweizer Staatsbürger Kapitalbeträge von maximal 50 000 Reichsmark (rund 87 000 Franken) in die Schweiz transferieren durften.
Die schweizerische Gesandtschaft in Berlin übernahm diese Gelder und
bestritt damit unter anderem Unterstützungszahlungen an in Deutschland lebende bedürftige Schweizerinnen und Schweizer. Die Rückwanderer erhielten in der Schweiz den Betrag in Franken wieder ausbezahlt; sie hatten dabei jedoch einen empfindlichen Verlust hinzunehmen, weil der angewandte Wechselkurs fast 50% unter dem offiziellen Clearingkurs lag. […] Da die Gesandtschaft für die übernommenen Kapitalien nicht genügend Verwendung fand, waren die Transfermöglichkeiten bereits 1938 «sehr beschränkt» und reichten «lange nicht aus, um allen Rückwandererwünschen entgegenzukommen». Auch erfolgten die Auszahlungen in der Schweiz erst nach langen Wartefristen und in Teilbeträgen.
Zwischen 1937 und 1943 konnten Rückwandererguthaben von 4 Millionen Franken in die Schweiz zurückgeschafft werden (hinzu kamen 3 Millionen im Kapital-Härtefall-Verfahren) , während vor dem Krieg allein die jüdischen Schweizer 16 Millionen Franken im Reich besassen.
(Bericht der Unabhängigen Expertenkommission S.190f)

Unabhängig von dieser Frage, mit der sich das Reichsfinanzministerium nicht weiter aufhält, wird die Zustimmung zum Kauf (erneut) gegeben:

In dieser Akte ist der Vorgang damit abgeschlossen. Jedoch findet sich an anderer Stelle noch eine Art Schlusswort:

Der Kaufvertrag ist nicht zustandekommen, da der von dem Verkäufer zur Bedingung gemachte Rückwanderer-Transfer nicht durchgeführt werden konnte. Das Grundstück ist inzwischen andererweit verkauft worden und steht vor der Auflassung.

An wen das Haus verkauft wurde und ob es ihm gelungen ist, sein Vermögen zu transferieren, dazu weiß ich aktuell noch nichts. Arthur Friedrich Bergmann ist nicht im Sippenbuch Grenzach (von 1974) zu finden, d.h. er lebte zumindest zum Zeitpunkt von dessen Zusammenstellung nicht mehr im Ort (und war auch zuvor „nur“ eingewandert). Auch online konnte ich bisher keine weiteren Informationen zu ihm finden. Der einzige irgendwie passende Treffer auf einer Ahnenforschungsseite führt nach Amerika – nicht unwahrscheinlich aber es liegen auch keine Indizien dafür vor, dass es sich dabei um die gleiche Person handelt:

Was bleibt, ist bei einem weiteren Archiv-Besuch in Grenzach heraus zu finden, ob dort noch Informationen liegen.

Damit ist die Akte abgeschlossen

Die letzten drei Dokument in der Akte:

  1. Ein „Anhang“ zu Ernsts Ahnentafel

Spalte 16-25 einschl. durch erzbischöfl. Schreiben bestätigt, daß alle Kirchenbücher i.J. 1818 durch Feuer zerstört wurden.

Da das Schreiben selbst nicht beiliegt, könnte es sich hierbei um eine Notiz des Sachbearbeiters handeln.

2. Der Laufzettel der Akte

Der Vordruck ist teilweise mit Maschine, hauptsächlich aber von Hand und durch unterschiedliche Personen ausgefüllt. Es finden sich eine Reihe von Stempeln.

Vermerkt werden die Urteile zu zwei „Gutachten“ (Erbgesundheit bzw. Abstammung). Zur Erbgesundheit sind „Rückfragen erforderlich“ (die Zähne!), zur Abstammung dagegen besteht „kein Einwand“. Die Unterlagen hierzu sind am 18.10. „vollstd.“.

Am 7. November notiert der RuSHA-Mitarbeiter: „Nochmals Rückfragen“ und am 18.11. stempelt er schließlich „Keine wesentlichen Bedenken.“. Und dann wird die „Verlobung und Heirat freigegeben am 22. Nov. 1935“.

3. Das Deckblatt, kaum ausgefüllt

Und das war‘s. Die Akte ist abgeschlossen und ich kann mich all den Fragen zuwenden, die sie aufgeworfen hat.

Wann geheiratet

Die nächsten beiden Kopien in der Bundesarchiv-Akte sind Kopien eines Briefumschlags:

  1. Ernst ist ins Zollhaus umgezogen.
  2. Das Porto für einen Brief war 12 Pfennige.
  3. Das RuSHA bzw. die zuständige Abteilung sitzt nicht (mehr) am Tirpitz-Ufer, wie noch Anfang Oktober, sondern in der Hedemannstraße (das allerdings auch bereits beim Schreiben vom 19.10.). Zur Geschichte der Straße und des Hauses habe ich diese Chronik gefunden.

Ernsts Schreiben ist vom 23. Januar 1936 datiert, es sind also jetzt 2 Monate vergangen.

Betr: Genehmigungsurkunde u Urkunden der Ahnentafeln

Nach erteilter Heiratsgenehmigung vom 22. Nov. 35 bitte ich der Chef des Rasse u Siedlungs-Hauptamtes um Nachsendung der Genehmigungsurkunde, sowie auch um die Urkunden meiner und die meiner Frau Katharina Maier geb. Winter ihrer Ahnentafel da ich die Urkunden zur Ahnentafel zu meiner SS Einh. sowie auch für meine Nachkommen weiterhin gebrauche bitte ich nochmals um baldige Zusendung derselben

Da ist sie wieder, Ernst eigene Schreibweise. Ein langer Satz ohne Punkt und fast ohne Komma.

Also, er will seine Urkunden zurück UND die Genehmigungsurkunde zur Heirat. geheiratet hat er aber schon. Leider fehlen in der Akte sowohl das Antwortschreiben vom 22.11.1935, als auch die Urkunde selbst.

Ob der Vollständigkeit halber oder weil man eine Heirat ohne vorhandene Urkunde überraschend fand, der Sachbearbeiter (Eingang des Schreibens am 24.1.), notiert auf dem Dokument: „Beantworten u Wann geheiratet“.

Es dauert nochmals einen ganzen Monat, bis Ernst endlich seine und Katharinas Urkunden zurück erhält:

Anliegend werden Ihnen die übersandten Urkunden zurückgesandt.

Die Genehmigungsurkunde des Reichsführers-SS ist noch in Bearbeitung. Nach Fertigstellung wird Ihnen dieselbe unmittelbar zugesandt.

Aber wann sie geheiratet haben, dazu steht nichts in der Akte.

Andreas Winter schaltet sich ein

Ernst hat also endlich alle erforderlichen Unterlagen und Nachweise eingereicht und das RuSHA hat diese (Eingangsstempel 12.11.) erhalten. Und dann passiert erstmal nichts.

Also schreibt er wieder:

Bitte den Chef des Rasse u. Siedlungs-Hauptamts folgsamst unterbreiten zu dürfen.

Unterzeichneter SS Unterscharführer Ernst Maier SS No. 58648, seit 2 Jahren Zollangestellter habe am 16. Okt. d.J. Meine vom SS-Schulungsleiter geprüften vorschriftsmäßige ausgefüllte und belegte Ahnentafel nebst den vorgeschriebenen ärztlichen Untersuchungsbogen sowie dasselbe von meiner Braut an das Rasse u. Siedlungsamt in Berlin eingesandt mit der Bitte um baldige Genehmigung zur Heirat. Vor 14 Tagen habe ich noch den vom Rasse u. Siedlungsamt angeforderten zahnärztlichen Befund eingesandt. Bis heute jedoch warte ich vergeblich auf die Genehmigung.

Ich besitze die zollamtliche Heiratsbewilligung und habe auch von dort eine Wohnung zugewiesen erhalten. Sollte meine Heirat noch weiter verzögert werden, dann würde mir diese Wohnung wieder verlustig gehen.

Da die beiden arischen Abstammungen zweifelsfrei in Ordnung sind, desgleichen unser beider Gesundheitszustand dürfte es nur an der Erledigung liegen.

Gehorsamst bitte ich um Ihre Unterstützung durch sofortige Zusendung der Bewilligung und meiner Urkunden für die Ahnentafel die ich noch weiterhin benötige übersenden zu wollen.

Nicht nur, dass Ernsts Ärger verständlich ist – er wird vom Amt hingehalten – es gibt eine Reihe von interessanten Details in diesem Schreiben:

  1. Der Brief ist vom 20.11. datiert, also 9 Tage nach dem Einsenden des zahnärztlichen Attests, nicht 14 Tage, wie Ernst behauptet.
  2. Handschriftliche Vermerke, vermutlich der Mitarbeiter im RuSHA lauten: 16/11 II // 18/11 Schuer (?) // 23.11.35 gen. – Wenn man davon ausgeht, dass der Brief tatsächlich erst am 20.11. abgesandt wurde, könnte sich dahinter ein Hinweis auf den Bearbeitungsstand verbergen. Also indem etwa am 16.11. bereits etwas entscheiden wurde, am 18.11. ein gewisser Schuer (?) auf die Sache gesehen hat und dann am 23. (nach Eingang des Schreibens, s. Stempel) dann die Genehmigung erteilt wurde.
  3. Ein weiterer handschriftlicher Vermerk lautet „Sofort“. Obwohl man das Schreiben auch durchaus als unverschämt einstufen könnte, nimmt man die Sache im RuSHA Ernst und handelt tatsächlich sehr schnell.
  4. Ernst schreibt ungewohnt förmlich („folgsamst“, „gehorsamst“) und stellenweise in altdeutscher Schrift, vgl.:

Auffällig ist die veränderte Schreibweise z.B. beim Wort „Unterscharführer“ , beim „Heil Hitler“ und sogar bei der eigenen Unterschrift.

Meine Vermutung ist, auch aufgrund der Wortwahl, die sehr viel förmlicher ist, als Ernst normalerweise schreibt, dass jemand Ernst beim Verfassen des Briefes unterstützt oder ihn dazu gedrängt hat bzw. ihm diktiert hat, was er schreiben soll. Dieser jemand könnte ein Vorgesetzter bei SS oder Zoll gewesen sein – oder sein zukünftiger Schwiegervater, Andreas Winter. Der nämlich schrieb eine Woche später dann selbst auch nach Berlin:

Dem verehrl. Rasse – & Siedlungsamt Hauptamt Berlin

Zwecks Heiratsgenehmigung für meinen z. Schwiegersohn Ernst Maier SS UScharführer mit meiner Tochter Katharina Winter, habe als Beleg für die Ausstellung meiner Ahnen-Tafel an Sie, meine mir dazu beschafften Orig. Urkunden eingesandt mit denen des genannten E. Maier. Da ich für Parteizwecke die Ahnen Tafel ebenfalls haben sollte, und Maier seine Orig. Urkunden ebenfalls benötigt, bitte ergebenst um Rücksendung unserer, Mitte Oktober eingesandten Urkunden. Dieselben wurden eingesandt unter der No. V.B. 28285. Mit verbindlichen Dank für frdl. Zusendung der Heiratsbewilligung sowie der mir noch zugehenden Original. Urkunden zeichne

Heil Hitler! Winter

Von der Wortwahl her kommt das dem Schreiben Ernst vom 20. November jedenfalls nahe.

Auch hier nochmals ein Schriftvergleich, es wird klar, dass Andreas Winter den Stammbaum (Ahnentafel) seiner Tochter ausgefüllt hat:

Dieser Andreas Winter, Steindrucker (= Lithograph), geboren in Amberg (Bayern), 1935 48 Jahre alt, war ca. 1910/11 (nach der Geburt der älteren Tochter, Margareta in Aschaffenburg) nach Grenzach gekommen. Katharina wurde 1912 bereits dort geboren.

Mit seiner ausdrucksstarken, professionellen Handschrift setzte Winter schwungvoll einen Brief an das RuSHA auf: Er hätte seine Originalurkunden gerne zurück. Da diese nun leider nicht der Akte beiliegen und auch nirgendwo erwähnt wird, was genau eingereicht wurde, kann ich nur annehmen, dass es sich bspw. um Geburts- und Heiratsurkunden gehandelt haben könnte.

Er benötigt diese für Parteizwecke? Was damit gemeint sein könnte, bleibt unklar. Auch ist nicht eindeutig, ob die Heiratsgenehmigung zwischenzeitlich erteilt wurde, oder ob er nochmals Druck machen will, die Formulierung „Mit verbindlichen Dank für frdl. Zusendung der Heiratsbewilligung“ könnte beides bedeuten.

Interessanterweise benötigt dieses Schreiben mehrere Tage, bis es abgestempelt wird (erst am 4.12.), weitere Vermerke sind nicht vorhanden.

Zum Kauen gut tauglich

Mittlerweile habe ich das Gefühl, dieses Verlobungsgesuch endet niemals. Wahrscheinlich ging es Ernst & Katharina genauso. Während ich also zwischenzeitlich schon ganz andere Spuren verfolge (u.a. im Bundesarchiv), soll es heute zunächst nochmals um Ernsts Zähne gehen.

Wir erinnern uns: In der generellen Untersuchung (durch einen nicht-Zahnarzt), wurde angegeben, dass das Gebiss nicht behandlungsbedürftig sei. Dies sah der Sachbearbeiter in Berlin im RuSHA anders und forderte ihn mit Schreiben vom 19.10. zunächst auf, sich in zahnärztliche Behandlung zu begeben. Daraufhin sendet Ernst zwar entsprechende Nachweise seiner Verlobten ein, zu sich selbst jedoch nicht.

Während Ernst am 10.11. erneut um eine beschleunigte Bearbeitung bittet (s. letzter Post), ist bereits ein weiteres Schreiben aus Berlin unterwegs zu ihm:

Das R.u.S.-Hauptamt SS ersucht sie letztmalig, entsprechend des diesseitigen Schreibens vom 19.10.35, sich sofort in zahnärztliche Behandlung zu begeben, da Ihr Gebiß behandlungsbedürftig ist. Erst nach mit Erfolg abgeschlossener Behandlung, ist ein Bericht des Zahnarztes einzureichen. Eine Erledigung Ihres Gesuches ist vorher nicht möglich.

Ernst, der ja gerade erst nochmals um schnelle Bearbeitung gebeten hatte, erhielt dieses Schreiben vermutlich am 11.11. (der andere Brief datiert vom 10.11.) und schreibt sofort wieder nach Berlin:

anbei: zahnärztliche Bescheinigung

Meine Zahnbehandlung, wurde nicht durch Herrn Dentist Hütterer wie ich in meinem letzten Zahnbefund angegeben habe, sondern mußte von unserer Krankenkasse aus, zu Zahn Dentist Bergmann, dessen Bescheinigung über erfolgte Behandlung ich hiermit beilege.

Ernsts Grammatik ist zwar auch sonst nicht einwandfrei, aber diesem Schreiben merkt man an, dass es mit heißer Nadel gestrickt wurde.

Das Attest:

Der Zahnarzt, Arthur Friedrich Bergmann, auch zu ihm habe ich inzwischen weitere Informationen gefunden, die noch aufgearbeitet werden müssen, bestätigt, dass Ernst bei ihm in Behandlung war. Wenn man es genau nehmen will, dann bestätigt er keine durchgeführte Behandlung – wie auch, innerhalb eines kurzen Besuchs.

Ernst hat das Schreiben aus Berlin erhalten, ist sofort zum Zahnarzt, hat einen Begleitbrief verfasst, diesen direkt abgeschickt und:

Am nächsten Tag waren Schreiben und Attest bereits vor Ort in Berlin!

Dienstwohnung

Bisher hatte der ledige Zollgrenzangestellte Ernst, vermutlich privat, ein Zimmer bzw. eine Wohnung, aber vermutlich nur ein Zimmer, gemietet. Bei einer Heirat sollte sich dies ändern, wie er dem RuSHA am 10.11. mitteilt:

Zu meinem Heiratsgesuch, das ich am 16.X.35 an das Rasse u Siedlungs-Hauptamt eingesagt habe, möchte ich folgendes bemerken.

Da mir im hiesigen Zolldienstgebäude eine Dienstwohnung zur Verfügung steht, die mir aber durch Verzögerung meiner Heirat wieder verlustig gehen kann, bitte ich höflich. die Genehmigung zur Heirat etwas beschleunigen zu wollen.

Wie ich dem Rasse u Siedlungs-Hauptamt bei meinem Gesuch schon erwähnt habe, befindet sich meine Braut mit ende dieses Monats, im 4 Monat in Schwangerschaft, sodaß ich weitere Unannehmlichkeiten von Seiten meiner Eltern u Schwiegereltern zu vermeiden sofort heiraten muß.

Tatsächlich sind seit seiner ersten Anfrage beim RuSHA (am 22. August) bereits 3 Monate vergangen. Man kann jetzt sagen, Pech, so ein Antrag dauert eben seine Zeit. Andererseits kann es ja auch nicht im Sinne der Sache sein, wenn man den heiratswilligen, allem Anschein nach den Anforderungen entsprechenden Bewerber so lange hinhält.

Tatsächlich war das aber der Fall.

Isabel Heinemann schildert den Prozess in ihrer Studie zum RuSHA (Rasse, Siedlung, deutsches Blut – Das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS und die rassenpolitische Neuordnung Europas, Göttingen 2003) wie folgt:

Heinrich Himmler bestand darauf, daß der SS-Mann schon vor der Verlobung die Verlobungs- und Heiratsgenehmigung einzuholen habe. Dies war jedoch schwer durchzusetzen, ersichtlich daran, daß zunächst eine Reihe von Sanktionsmöglichkeiten eingerichtet wurden. Dennoch entwickelte sich die ganze Prozedur im Laufe der Jahre de facto zu einer Heiratsgenehmigung nach bereits erfolgter Verlobung. […] Es ist aufschlussreich, daß auf Wunsch des Reichsführers SS weiterhin eine ganze Reihe von Hürden errichtet wurden. Das Heiratsalter wurde auf 25 Jahre festgesetzt, und die hauptamtlich angestellten SS-Führer, Unterführer und Mannschaftsdienstgrade hatten zudem eine Erklärung über den individuellen Vermögensstand des SS-Mannes und der Braut abzugeben. […] Ferner wurde festgelegt, daß die Braut vor der Eheschließung die Teilnahme an einem Mütterschulungskurs nachzuweisen hatte. […] Schließlich verfügte Himmler, daß der SS-Mann einen Antrag auf Übersendung der Unterlagen für ein Verlobungsgesuch beim Rasse- und Siedlungsamt anfordern und seinem SS-Vorgesetzten ein Formular zur Gegenzeichnung und vorlegen mußte, so daß dieser über die Ehepläne im Bilde war und gegebenenfalls seine Zustimmung verweigern konnte. (S.56f (FN 28))

Praktisch bedeutete dies für heiratswillige SS-Männer einen großen bürokratischen Aufwand – allein zur Aufstellung der Ahnentafeln mußte man in der Regel die Hilfe eines Genealogen in Anspruch nehmen – und beträchtliche Kosten (für die Beschaffung der Urkunden, die Hilfe von Fachleuten etc.). Auch dauerte die Bearbeitung der Gesuche meist sehr lange, so daß Beschwerden der Antragsteller beim Rasse- und Siedlungsamt keine Seltenheit waren. (S.58)

Auch das Thema „Dienstwohnung in Grenzach“ ist interessant. Hierzu habe ich Dokumente im Bundesarchiv eingesehen, die ich noch vorstellen werde.

Letztmalig! Sofort!

Das R.u.S.-Hauptamt SS ersucht Sie letztmalig, entsprechend des diesseitigen Schreibens vom 19.10.35, sich sofort in zahnärztliche Behandlung zu begeben, da Ihr Gebiß behandlungsbedürftig ist. Erst nach mit Erfolg abgeschlossener Behandlung, ist ein Bericht des Zahnarztes einzureichen. Eine Erledigung Ihres Gesuches ist vorher nicht möglich.

Dieses Mal hat man sich in Berlin Zeit gelassen, mit einer Antwort. Auf Ernsts Schreiben vom 28.10. hin, reagiert man erst am 8.11.. Vielleicht hat der zuständige Sachbearbeiter abgewartet, ob noch weitere Unterlagen eintreffen und nachdem dies nicht der Fall war, dann reagiert.

Die Uhr tickt und falls Ernst bisher noch nichts weiter zur Behandlung seiner Zähne unternommen haben sollte, muss ihm spätestens jetzt klar sein, dass seine schwangere Braut und er so schnell keine Genehmigung zur Heirat bekommen werden.

Einschreiben!

Grenzach, den 28.10.1935

Anbei: zwei zahnärztliche und einen frauenärztlichen Befund zu dem Heiratsgesuch des SS U-Scharführers Maier Ernst

Etwa eine Woche nachdem ihn das Schreiben aus Berlin erreicht haben dürfte, reicht Ernst weitere Unterlagen beim RuSHA ein:

Zu dem zahn und frauenärztlichen Befundbericht meiner Braut muß ich folgendes bemerken:

Um die Beibringung, der erforderlichen Papiere meiner Braut, auf dem schnellsten Wege folge zuleisten, wurde die frauenärztliche Untersuchung bei der bekannten Dr. Margret Dickmann-Gugler in Allschwil bezw. Basel, wo meine Braut noch bis zum 1. XI.35 in Stellung ist, auf Kosten der dortigen Krankenkasse durchgeführt.

Bei der Untersuchung, bei Dr. Pitsch in Grenzach, wurde von meiner Braut erwähnt, daß sie sich gegenwärtig in zahnärztlicher Behandlung befinde, was aber von Herrn Dr. Pitsch allem Anschein im Erbgesundheitsbogen nicht vermerkt wurde. (Siehe Bestätigung von Dr. med. dent. Dähler Basel)

Da eine Unterleibsentzündung, bei meiner Braut nicht besteht, noch jemals bestanden hat und die von mir ange(?) Schwangerschaft, jetzt im dritten Monat sichergestellt ist, bitte ich um baldige Genehmigung zur Heirat.

Die genannten Atteste liegen der Akte bei. Katharina hat demnach am 24. und 25. Oktober zweimal den Weg in die Stadt unternommen, um sich zunächst bei Frau Dr. Dickman-Gugler und anschließend bei Herrn Dr. Dähler bestätigen zu lassen, dass sie sich in Behandlung befindet. Laut schulferien.org waren das ein Donnerstag und ein Freitag. Als im Haushalt lebendes Dienstmädchen, war es sicher nicht ganz einfach, an zwei aufeinanderfolgenden Tagen frei zu nehmen, um Arztbesuche zu machen. Aber, wie Ernst schreibt, Katharinas Tage als Angestellte waren sowieso schon gezählt, in knapp zwei Wochen würde sie die Anstellung verlassen – vermutlich in Antizipation der bevorstehenden Heirat, die ja nur noch genehmigt werden musste.

Wieso schreibt Frau Dr. Dickmann-Gugler, dass Katharina bereits einen Monat zuvor bei ihr zur Untersuchung war? Das passt weder zu Ernsts Aussage im Begleitschreiben, dass man sich aus Zeitgründen an eine Ärztin in der Schweiz gewendet habe (klingt nach einer einmaligen Sache), noch dazu, dass Katharina am 5. Oktober, bei der Untersuchung durch Dr. Pitsch, weder eine Schwangerschaft erwähnte, noch dass sie sich in gynäkologischer Behandlung befand. Angesichts der durch Dr. Pitsch durchgeführten Untersuchung und Diagnose (Cervixkatarrh), hätte dies doch zur Sprache kommen sollen?

Das Attest geht sogar noch weiter und bestätigt rückwirkend zur September-Untersuchung, dass eine Unterleibsentzündung zum Zeitpunkt der Untersuchung in Grenzach nicht bestanden haben kann.

Das „Attest“ des von Katharina besuchten Zahnarztes, Dr. Dähler, fällt sehr viel knapper aus:

Unterzeichneter bestätigt hiermit, dass Fräulein Winter, Allschwil, im August 1935 in seiner Behandlung war.

Damit ist der Anforderung der RuSHA natürlich nicht entsprochen. Da im Untersuchungsbogen keine Angaben zum Gebiss gemacht wurden, hatte man Katharina aufgefordert, sich in Behandlung zu begeben. Ernst schreibt jetzt, dass sie ja schon längst in Behandlung sei (Attest liegt bei). In welchem Zustand sich ihre Zähne befinden, dazu wird weiterhin nichts mitgeteilt.

Dr. Margret Dickmann-Gugler war später (1961) eine von 11 oder 13 Frauen, die als erste weibliche Bürgerrätinnen der Stadt Basel gewählt wurden. Quelle: https://blog.staatsarchiv-bs.ch/basels-erste-parlamentarierinnen/ Sie gehörte der liberalen „Radikaldemokratischen Partei“ an.

https://query.staatsarchiv.bs.ch/query/bild.aspx?VEID=1263589&DEID=10

Eine von diesen Damen muss sie sein. Aus anderen Bildern, die mit Namen versehen sind, können identifiziert werden:

  1. Elisabeth Vischer-Alioth (Alterspräsidentin), Vereinigung Evangelischer Wähler – geb. 1892, d.h. Frau Dr. Dickmann-Gugler war 1935 maximal 42 Jahre alt, denn sie muss ja jünger sein als Frau Vischer-Alioth (erste Reihe links)
  2. Gertrud Bossert, Radikaldemokratische Partei (letzte Reihe links)
  3. Margaretha Amstutz, Radikaldemokratische Partei (erste Reihe rechts)
  4. Dr. Rose Reimann-Hunziker, Radikaldemokratische Partei (dritte Reihe ganz links)
  5. Dr. Gertrud Spiess, Katholisch und Christlichsoziale Volkspartei (zweite Reihe Mitte)
  6. Dr. Salome Christ, Landesring der Unabhängigen (letzte Reihe, rechts)
  7. Ruth Epting, Vereinigung Evangelischer Wähler

So, jetzt habe ich in der Bildbeschreibung eines der anderen Bilder im Staatsarchiv Basel-Stadt, das bei der Suche nach Frau Dickmann-Gugler aber nicht aufgetaucht ist, ihren Namen gefunden:

Daraus schließe ich, dass es sich bei ihr um die Dame ganz links im oberen Bild handelt.

Interessant ist auch die Adresse der Praxis: Blumenrain 20:

Auch zu Dr. med. dent. Ernst Dähler, Aeschenvorstadt 71, Basel, findet man nach einigem Suchen ein paar Hinweise. Den Vornamen habe ich zunächst in einem Jahresbericht des SAC (Schweizer Alpen Club) gefunden, in dem Dr. Dähler zu seiner 40-jährigen Mitgliedschaft beglückwünscht wird. Das war 1967. Demnach war Dähler seit 1927 Mitglied und lebte 1967 noch.

Aus einem Bundesblatt vom 12.02.1969, in dem die Mitglieder der dem Eidgenössischen Gesundheitsamt beigegebenen ausserparlamentarischen Kommissionen benannt werden, findet sich unter dem Abschnitt „II Examinatoren und stellvertretende Examinatoren“ zu „B Zahnärztliche Prüfungen“ unter den stellvertretenden Examinatoren „Dähler Ernst, 1907, Zahnarzt, in Basel“. Dr. Dähler war 1935 also 28 Jahre alt.

Auch für die Amtsdauer 1977-1980, also 10 Jahre später, findet sich Dr. Dähler noch als stellvertretender Examinator.

Die Praxis von Dr. Dähler befand sich in der Aeschenvorstadt, das Haus ist auf Google leider nicht direkt absehbar, scheint aber noch zu stehen.

Heute, so sagt Google Maps, würde Katharina zu Fuß jeweils etwa 40 Minuten benötigen, um von ihrem Wohn- und Arbeitsort zu den jeweiligen Ärzten zu gelangen. Das geht eigentlich:

Das RuSHA hat da noch ‘ne Frage

Nachdem wir uns jetzt alle (Ernst, Katharina und Ich), durch den Antrag durchgearbeitet haben, beginnt nun endlich der Genehmigungsprozess.

Wie bereits ausgeführt, übersandte Ernst die Unterlagen mit Schreiben vom 16.10. (s. hier).

Bereits 3 Tage später datiert ein Antwortschreiben des Sippenamts:

(Vordruck) Ihr Gesuch kann noch nicht entschieden werden. Zur weiteren Prüfung benötigt das R u S Hauptamt der SS noch

(Darüber mit Schreibmaschine) 1. … frauenärztlichen … nicht

über die Unterleibsentzündung von Fräulein Winter, insbesondere über Ursache, Beginn und Verlauf und weiterhin, ob eine Schwangerschaft mit Sicherheit festzustellen ist.

2.) Fräulein Winter hat sich sofort in zahnärztliche Behandlung zu begeben, da ihr Gebiß behandlungsbedürftig ist. Nach Abschluß dieser Behandlung ist ein entsprechender zahnärztlicher Bericht einzureichen.

3.) Dasgleiche gilt auch für Ihr Gebiß. Erst dann ist eine Beurteilung Ihres Gesuches möglich.

(Vordruck) Diese Unterlagen sind möglichst schnell nachzureichen.

(Darüber mit Schreibmaschine) b. 11.35

Tja. Was hat er sich denn auch gedacht? Kannte Ernst den Befund Katharinas? Darin stand ja eindeutig, dass aktuell keine Schwangerschaft vorliegt (vgl. hier).

Ich denke, es ist folgendes passiert: Bei der Untersuchung (am 05. Oktober), stellt Dr. Pitsch bei Katharina einen „Cervixkatarrh“ fest. Wie bereits dargestellt, handelt(e) es sich bei dieser Diagnose um ein Krankheitsbild, das normalerweise in Verbindung mit Geschlechtskrankheiten gesehen wurde. Aus diesem Blickwinkel ergibt sich die Nachfrage des Sachbearbeiters im RuSHA. Andererseits war ein Gonokokken-Abstrich ja negativ. Vielleicht sind Katharina und Ernst daraufhin ins Überlegen gekommen und mussten dann feststellen, dass die Symptome, die sie zeigte, Anzeichen einer Schwangerschaft sein konnten. Entsprechend schrieb Ernst dann am 16. Oktober, mithin 10 Tage nach der ärztlichen Untersuchung, mit dem Wissen (oder zumindest der sehr konkreten Vermutung), dass Katharina schwanger war, an das RuSHA.

Dass sie diese Unstimmigkeiten erklären würden müssen, hätten sie sich aber auch denken können.

Darüber hinaus werden beide zum Zahnarzt geschickt. Der Sachbearbeiter hat aufgrund der eingereichten Informationen befunden, dass das beider Gebisse behandlungsbedürftig sind.